Schein­gut­schrif­ten – und die Straf­zu­mes­sung bei der Steu­er­hin­ter­zie­hung

Der Vor­steu­er­ab­zug aus Schein­gut­schrif­ten ist bei der Bestim­mung des Hin­ter­zie­hungs­um­fangs zube­rück­sich­ti­gen1. Bei der Straf­zu­mes­sung ist jedoch in den Blick neh­men, dass die gemäß § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG geschul­de­te Steu­er ledig­lich das Steu­er­auf­kom­men vor den Fol­gen eines unbe­rech­tig­ten Vor­steu­er­ab­zugs schüt­zen soll­te.

Schein­gut­schrif­ten – und die Straf­zu­mes­sung bei der Steu­er­hin­ter­zie­hung

Letzt­lich hat sich hier näm­lich ledig­lich die mit der Aus­stel­lung der Schein­gut­schrif­ten ent­ste­hen­de Gefahr für das Steu­er­auf­kom­men, der der Gesetz­ge­ber mit Schaf­fung des § 14 Abs. 3 UStG aF (§ 14c UStG nF) ent­ge­gen­wir­ken woll­te2, mit der tat­säch­li­chen Gel­tend­ma­chung des Vor­steu­er­ab­zu­ges aus eben­die­sen Gut­schrif­ten rea­li­siert3.

Der dem Fis­kus durch die Erstel­lung und Ver­wen­dung von Schein­gut­schrif­ten ent­stan­de­ne Steu­er­scha­den geht damit in sei­ner Bedeu­tung für die Straf­zu­mes­sung über die Höhe des unbe­rech­tig­ten Vor­steu­er­ab­zugs nicht hin­aus; der für die Straf­zu­mes­sung maß­geb­li­che Steu­er­scha­den ist nicht etwa des­halb dop­pelt so hoch, weil der gemäß § 14c UStG geschul­de­te Steu­er­be­trag, der der Mög­lich­keit eines unbe­rech­tig­ten Vor­steu­er­ab­zugs Rech­nung tra­gen soll­te, eben­falls ver­kürzt wur­de. Die­sen Zusam­men­hang zwi­schen Steu­er­ent­ste­hung gemäß § 14c Abs. 2 Satz 2 UStG und unbe­rech­tig­tem Vor­steu­er­ab­zug hat das Land­ge­richt bei der Straf­zu­mes­sung nicht erkenn­bar zuguns­ten des Ange­klag­ten berück­sich­tigt. Dies führt zur Auf­he­bung der hier­von betrof­fe­nen Ein­zel­stra­fen4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2014 – 1 StR 209/​14

  1. BGH, Urteil vom 30.04.2009 – 1 StR 342/​08, BGHSt 53, 311; Beschluss vom 20.03.2002 – 5 StR 448/​01, NJW 2002, 1963
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2002 – 5 StR 516/​01, BGHSt 47, 343
  3. vgl. BGH, Urteil vom 30.04.2009 – 1 StR 342/​08, BGHSt 53, 311
  4. vgl. auch BGH, Beschluss vom 11.12 2002 – 5 StR 212/​02, wis­tra 2003, 140; BGH, Beschluss vom 20.03.2002 – 5 StR 448/​01, BGHR AO § 370 Abs. 1 Straf­zu­mes­sung 14