Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen bei Umsatz­steu­er und Bau­ab­zug­steu­er – und die Strafzumessung

Im Rah­men der Straf­zu­mes­sung ist nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu berück­sich­ti­gen, dass es sich bei der vom Straf­tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO) vor­aus­ge­setz­ten Erklä­rungs­pflicht um ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal im Sin­ne des § 28 Abs. 1 StGB han­delt, das als ver­typ­ter Straf­mil­de­rungs­grund eine Straf­rah­men­ver­schie­bung eröff­net1.

Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen bei Umsatz­steu­er und Bau­ab­zug­steu­er – und die Strafzumessung

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall wird daher auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts, wonach die Ange­klag­ten jeweils Bei­hil­fe zur Hin­ter­zie­hung von Umsatz- bzw. Bau­ab­zug­steu­er geleis­tet haben, wird des­halb eine wei­te­re Straf­mil­de­rung ent­we­der in Form eines Abse­hens von der Regel­wir­kung des § 370 Abs. 3 AO oder einer wei­te­ren Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB neben der des § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB in den Blick zu neh­men sein.

Die wei­te­re Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1 StGB wür­de nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ledig­lich dann aus­schei­den, wenn die jewei­li­ge Tat allein wegen des Feh­lens des straf­be­grün­den­den beson­de­ren per­sön­li­chen Merk­mals als Bei­hil­fe statt als Täter­schaft zu wer­ten wäre2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2020 – 1 StR 567/​19

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17, BGHSt 63, 282 Rn.20; und vom 12.02.2020 – 1 StR 344/​19 Rn. 33[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2020 – 1 StR 344/​19 Rn. 33 mwN[]