Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen – und die Strafrahmenverschiebung

Bei der vom Straf­tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO) vor­aus­ge­setz­ten Erklä­rungs­pflicht han­delt es sich, wie der Bun­des­ge­richts­hof im Jahr 2018 unter Ände­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ent­schie­de­nen hat [1], um ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal im Sin­ne des § 28 Abs. 1 StGB, das eine Straf­rah­men­ver­schie­bung eröffnet.

Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen – und die Strafrahmenverschiebung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs schei­det eine wei­te­re Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1 StGB ledig­lich dann aus, wenn die Tat allein wegen des Feh­lens des straf­be­grün­den­den per­sön­li­chen Merk­mals als Bei­hil­fe statt als Täter­schaft zu wer­ten ist.

Ein sol­cher Fall lag im hier ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht vor: Zwar kann Täter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen nur der­je­ni­ge sein, der selbst zur Auf­klä­rung steu­er­li­cher Tat­sa­chen beson­ders ver­pflich­tet ist [2], was bei dem Ange­klag­ten nicht der Fall ist. Das Land­ge­richt hat den Tat­bei­trag des Ange­klag­ten jedoch unab­hän­gig davon rechts­feh­ler­frei als blo­ße Unter­stüt­zungs­hand­lung für den erklä­rungs­pflich­ti­gen Mit­an­ge­klag­ten H. bewer­tet. Die Vor­aus­set­zun­gen einer wei­te­ren Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB neben der des § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB lagen daher hin­sicht­lich des Ange­klag­ten vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2020 – 1 StR 265/​20

  1. BGH, Urteil vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17 Rn.19, BGHSt 63, 282; und vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12 Rn. 52, BGHSt 58, 218[]