Steu­er­hin­ter­zie­hung mit­tels Schein­rech­nun­gen – und die Ein­zie­hung der ver­kürz­ten Steu­ern

Beim Delikt der Steu­er­hin­ter­zie­hung kann die ver­kürz­te Steu­er „erlang­tes Etwas“ i.S.v. § 73 Abs. 1 StGB sein, weil sich der Täter die Auf­wen­dun­gen für die­se Steu­ern erspart.

Steu­er­hin­ter­zie­hung mit­tels Schein­rech­nun­gen – und die Ein­zie­hung der ver­kürz­ten Steu­ern

Dies gilt jedoch nicht schlecht­hin, weil die Ein­zie­hung an einen durch die Tat tat­säch­lich beim Täter ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­vor­teil anknüpft und damit mehr als die blo­ße Tat­be­stands­er­fül­lung vor­aus­setzt. Offe­ne Steu­er­schul­den begrün­den nicht stets über die Rechts­fi­gur der erspar­ten Auf­wen­dun­gen einen Vor­teil im Sin­ne des § 73 Abs. 1 StGB. Maß­geb­lich bleibt immer, dass sich ein Vor­teil im Ver­mö­gen des Täters wider­spie­gelt [1], die­ser mit­hin in die­sem Sin­ne über die Steu­er­erspar­nis ver­fügt. Bei der Umsatz­steu­er unter­lie­gen ins­be­son­de­re unge­recht­fer­tig­te Vor­steu­er­ver­gü­tungs­be­trä­ge der Ein­zie­hung.

Dem­ge­gen­über schei­det im Rah­men einer Schein­lie­fer­be­zie­hung beim Rech­nungs­aus­stel­ler eine Ein­zie­hung in Höhe der gemäß § 14c Abs. 2 Satz 2 Alt. 2 UStG ent­stan­de­nen, aber nicht ange­mel­de­ten Umsatz­steu­er aus, weil die Steu­er­an­mel­dung nicht dazu führt, dass sich ein Ver­mö­gens­vor­teil in des­sen Ver­mö­gen nie­der­schlägt. Ein abzu­schöp­fen­der Ver­mö­gens­vor­teil tritt nur im Ver­mö­gen des­je­ni­gen ein, der auf der Grund­la­ge von Schein­rech­nun­gen unbe­rech­tigt Vor­steu­er­ab­zü­ge gel­tend macht [2].

Im Fal­le der Hin­ter­zie­hung von Ein­kom­men­steu­er spie­geln sich die für ver­kürz­te Steu­ern erspar­ten Auf­wen­dun­gen im Ver­mö­gen des Täters jeden­falls dann wider, wenn bei die­sem ein der Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen­der Zuwachs vor­han­den ist [3]. Ein Geld­be­trag in Höhe der für die ver­kürz­te Ein­kom­men­steu­er erspar­ten Auf­wen­dun­gen unter­liegt daher als Wert der Tat­erträ­ge gemäß § 73c Satz 1 StGB der Ein­zie­hung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. August 2020 – 1 StR 198/​20

Steuerhinterziehung mittels Scheinrechnungen - und die Einziehung der verkürzten Steuern
  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2019 – 1 StR 620/​18 Rn.19 f.; Beschlüs­se vom 05.06.2019 – 1 StR 208/​19 Rn. 10; vom 24.07.2019 – 1 StR 363/​18 Rn. 15 f.; vom 08.08.2019 – 1 StR 679/​18 Rn. 8 f.; und vom 22.10.2019 – 1 StR 271/​19 Rn. 13 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 05.06.2019 – 1 StR 208/​19 Rn. 12[]
  3. BGH, Beschluss vom 05.09.2019 – 1 StR 99/​19 Rn. 6[]