Steu­er­hin­ter­zie­hung – und der beson­ders schwe­re Fall

Bei Hin­ter­zie­hungs­ta­ten aus Jah­ren bis 2007 liegt nach § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO 1 ein beson­ders schwe­rer Fall in der Regel vor, wenn der Täter aus gro­bem Eigen­nutz in gro­ßem Aus­maß Steu­ern ver­kürzt.

Steu­er­hin­ter­zie­hung – und der beson­ders schwe­re Fall

Grob eigen­nüt­zig i.S.d. § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 AO in der Fas­sung vom 01.10.2002 han­delt, wer sich bei sei­nem Ver­hal­ten von dem Stre­ben nach Vor­teil in beson­ders anstö­ßi­gem Maße lei­ten lässt.

Dabei muss das Gewinn­stre­ben des Täters das bei jedem Steu­er­straf­tä­ter vor­han­de­ne Gewinn­stre­ben deut­lich über­stei­gen. Bei der Beur­tei­lung, ob dies der Fall ist, hat das Tat­ge­richt einen vom Revi­si­ons­ge­richt hin­zu­neh­men­den Beur­tei­lungs­spiel­raum 2.

Hin­sicht­lich der Hin­ter­zie­hungs­ta­ten ab dem Jahr 2008 gilt die Geset­zes­fas­sung vom 21.12 2007, 2007, wonach ein beson­ders schwe­rer Fall in der Regel vor­liegt, wenn der Täter in gro­ßem Aus­maß Steu­ern ver­kürzt.

Die­ses nach objek­ti­ven Maß­stä­ben zu bestim­men­de Merk­mal ist dann erfüllt, wenn der Hin­ter­zie­hungs­be­trag 50.000 € über­steigt 3.

Auch wenn die­se Wert­gren­zen jeweils nicht uner­heb­lich über­stie­gen wer­den, kann die Wirt­schafts­straf­kam­mer die Indi­zwir­kung des Regel­bei­spiels als wider­legt anse­hen, wenn die indi­zi­el­le Bedeu­tung des Regel­bei­spiels durch ande­re Straf­zu­mes­sungs­fak­to­ren kom­pen­siert wird, wel­che so schwer wie­gen, dass die Anwen­dung des erschwer­ten Straf­rah­mens nach Über­zeu­gung der Straf­kam­mer unan­ge­mes­sen gewe­sen wäre 4.

Dabei konn­te er berück­sich­ti­gen, dass der Ange­klag­te noch vor Ent­de­ckung der Taten die nicht geschul­de­te Abgel­tungs­teu­er zzgl. Soli­da­ri­täts­zu­schlag in Höhe von über 225.000 € bezahlt und dadurch den beim Fis­kus zunächst ver­blei­ben­den Steu­er­scha­den erheb­lich ver­rin­gert hat­te, in der Fol­ge sämt­li­che gegen ihn gel­tend gemach­ten Steu­er­an­sprü­che begli­chen und nun im Ergeb­nis sogar erheb­li­che Steu­er­rück­er­stat­tun­gen zu erwar­ten hat. Auch die vor­ge­nann­ten Gesichts­punk­te, wel­che gegen die Annah­me des Merk­mals "gro­ber Eigen­nutz" ange­führt wur­den, konn­ten rechts­feh­ler­frei im Rah­men der Gesamt­wür­di­gung zugrun­de gelegt wer­den.

Wenn der Tatrich­ter nach umfas­sen­der Abwä­gung aller Umstän­de trotz der Indi­zwir­kung des Regel­bei­spiels kei­nen beson­ders schwe­ren Fall ange­nom­men hat, ist dies vom Revi­si­ons­ge­richt hin­zu­neh­men, auch wenn es die Gesamt­wür­di­gung selbst anders vor­ge­nom­men und eine sol­che sogar näher gele­gen hät­te oder über­zeu­gen­der gewe­sen wäre 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Sep­tem­ber 2017 – 1 StR 365/​16

  1. Geset­zes­fas­sung vom 01.10.2002[][]
  2. BGH, Beschluss vom 13.06.2013 – 1 StR 226/​13, NZWiSt 2013, 438 f.[]
  3. BGH, Urtei­le vom 02.12 2008 – 1 StR 416/​08, BGHSt 53, 71; und vom 27.10.2015 – 1 StR 373/​15, BGHSt 61, 28[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 05.05.2011 – 1 StR 116/​11, NJW 2011, 2450[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2015 – 5 StR 521/​14, NStZ-RR 2015, 178[]