Steu­er­straf­ver­fah­ren – und die Steu­er­be­schei­de

Legt das Straf­ge­richt den Inhalt der in das Ver­fah­ren ein­ge­führ­ten Urkun­den (hier: Steu­er­be­schei­de und Betriebs­prü­fungs­be­richt) dem Urteil zugrun­de, ist es hier­bei gleich­wohl an die in den frag­li­chen Urkun­den aus­ge­drück­te steu­er­li­che Bewer­tung der maß­geb­li­chen tat­säch­li­chen Vor­gän­ge durch die Finanz­be­hör­den bzw. deren Bediens­te­te nicht gebun­den.

Steu­er­straf­ver­fah­ren – und die Steu­er­be­schei­de

Viel­mehr obliegt es dem zustän­di­gen Straf­ge­richt im Rah­men sei­ner Vor­fra­gen­kom­pe­tenz (§ 262 Abs. 1 StPO), eigen­stän­dig die steu­er­recht­li­che Beur­tei­lung eines steu­er­straf­recht­lich bedeut­sa­men Lebens­sach­ver­halts vor­zu­neh­men 1.

Steu­er­be­schei­den kommt grund­sätz­lich kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Wir­kung für die Ent­ste­hung eines staat­li­chen Steu­er­an­spruchs und des­sen Höhe im ein­zel­nen Fall zu 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Janu­ar 2018 – 1 StR 535/​17

  1. zur Vor­fra­gen­kom­pe­tenz in Steu­er­straf­sa­chen etwa Harms/​Heine, in Fest­schrift für Spind­ler, 2011, 429, 431[]
  2. vgl. Seer in Tipke/​Lang, Steu­er­recht, 23. Aufl., § 21 Rn. 114 mwN[]