Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen – und die Straf­rah­men­ver­schie­bung

Der Bun­des­ge­richts­hof durch Urteil vom 23.10.2018 [1] sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung geän­dert und ent­schie­den, dass es sich bei der vom Straf­tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen370 Abs. 1 Nr. 2 AO) vor­aus­ge­setz­ten Erklä­rungs­pflicht um ein beson­de­res per­sön­li­ches Merk­mal im Sin­ne des § 28 Abs. 1 StGB han­delt, das eine Straf­rah­men­ver­schie­bung eröff­net.

Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen – und die Straf­rah­men­ver­schie­bung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs schei­det eine wei­te­re Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1 StGB ledig­lich dann aus, wenn die Tat allein wegen des Feh­lens des straf­be­grün­den­den per­sön­li­chen Merk­mals als Bei­hil­fe statt als Täter­schaft zu wer­ten ist.

Ein sol­cher Fall hat in dem hier ent­schie­de­nen Fall jedoch nicht vor­ge­le­gen: Zwar kann Täter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen nur der­je­ni­ge sein, der selbst zur Auf­klä­rung steu­er­li­cher Tat­sa­chen beson­ders ver­pflich­tet ist [2]. Das Land­ge­richt hat den Tat­bei­trag die­ser Ange­klag­ten, die den LKW mit den Ziga­ret­ten jeweils zur Ent­la­de­stel­le gesteu­ert haben, jedoch unab­hän­gig davon ledig­lich als Gehil­fen­bei­trag bewer­tet. Die Vor­aus­set­zun­gen einer wei­te­ren Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 28 Abs. 1, § 49 Abs. 1 StGB neben der des § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB lagen daher vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Juli 2020 – 1 StR 78/​20

  1. BGH, Urteil vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.10.2018 – 1 StR 454/​17 Rn.19; und vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12 Rn. 52, BGHSt 58, 218[]