Täter­schaft und Teil­nah­me beim Umsatz­steu­er­ka­rusell

Der­je­ni­ge, der in Umsatz­steu­er­erklä­run­gen die in einer Rech­nung aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er als Vor­steu­er gel­tend macht, macht unrich­ti­ge Anga­ben über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen i.S.v. § 370 Abs. 1 Nr. 1 AO, wenn er sich mit dem der Rech­nung zugrun­de lie­gen­den Erwerb an einem in eine "Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung" ein­be­zo­ge­nen Umsatz betei­lig­te 1. Ein Recht zum Vor­steu­er­ab­zug besteht aus sol­chen Rech­nun­gen nicht.

Täter­schaft und Teil­nah­me beim Umsatz­steu­er­ka­rusell

Das Recht zum Vor­steu­er­ab­zug (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG) ent­fällt jedoch nur dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zu­ges von der Ein­be­zie­hung in die "Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung" wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen 2. Ange­sichts der Maß­geb­lich­keit des Zeit­punkts des Leis­tungs­be­zugs lässt eine zeit­lich danach ein­tre­ten­de Kennt­nis von der Ein­bin­dung in die "Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung" das Recht zum Vor­steu­er­ab­zug nicht ent­fal­len.

Täter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung i.S.v. § 370 Abs. 1 Nr. 1 AO kann nicht nur der Steu­er­pflich­ti­ge sein. Viel­mehr kommt als Täter einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch akti­ves Tun grund­sätz­lich jeder­mann in Betracht ("wer"), sofern er den gesetz­li­chen Tat­be­stand ver­wirk­licht. Mit­tä­ter kann daher auch eine Per­son sein, der das Gesetz kei­ne steu­er­li­chen Pflich­ten zuweist, sofern nur die Vor­aus­set­zun­gen einer gemein­schaft­li­chen Bege­hungs­wei­se i.S.v. § 25 Abs. 2 StGB gege­ben sind 3.

Mit­tä­ter ist, wer nicht nur frem­des Tun för­dert, son­dern einen eige­nen Tat­bei­trag der­art in eine gemein­schaft­li­che Tat ein­fügt, dass sein Bei­trag als Teil der Tätig­keit des ande­ren und umge­kehrt des­sen Tun als Ergän­zung sei­nes eige­nen Tat­an­teils erscheint. Ob ein Betei­lig­ter ein so enges Ver­hält­nis zur Tat hat, ist nach den gesam­ten Umstän­den, die von sei­ner Vor­stel­lung umfasst sind, in wer­ten­der Betrach­tung zu beur­tei­len. Wesent­li­che Anhalts­punk­te kön­nen der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Tat­er­folg, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zur Tat­herr­schaft sein 4.

Auf die­ser Grund­la­ge bil­lig­te der Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall die Annah­me einer Mit­tä­ter­schaft der für die Abwick­lung des Ein- und Ver­kaufs der Arti­kel zustän­di­gen Mit­ar­bei­te­rin: Die erkenn­bar auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung der maß­geb­li­chen Umstän­de getrof­fe­ne Wer­tung des Land­ge­richts, die Ange­klag­te sei in sämt­li­chen Fäl­len Mit­tä­te­rin und nicht nur Gehil­fin der durch Ein­rei­chung unrich­ti­ger Umsatz­steu­er­vor­anmel­dun­gen bzw. der Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­run­gen (2009 und 2010) zuguns­ten der T. GmbH began­ge­nen Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen gewe­sen, ist recht­lich nicht zu bean­stan­den. Das Land­ge­richt hat das nur gerin­ge unmit­tel­ba­re eige­ne Tat­in­ter­es­se der Ange­klag­ten bedacht. Es hat aber ersicht­lich ent­schei­dend auf die weit­ge­hend selb­stän­di­ge Abwick­lung des Ein- und Ver­kaufs der Elek­tro­nik­ar­ti­kel, aus dem jeweils die zu Unrecht in die Steu­er­an­mel­dun­gen ein­ge­stell­ten Rech­nun­gen her­vor­gin­gen, sowie auf die Prü­fung der Rech­nun­gen sei­tens der Ange­klag­ten vor der Ein­stel­lung in die Buch­füh­rung der T. GmbH abge­stellt. Da damit an den Umfang der Tat­be­tei­li­gung und Tat­herr­schaft ange­knüpft wird, ist dies nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Okto­ber 2014 – 1 StR 182/​14

  1. sie­he nur BGH, Beschluss vom 08.02.2011 – 1 StR 24/​10, NJW 2011, 1616[]
  2. BGH, Beschluss vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13, NStZ 2014, 331, 333 Rn. 16 ff. mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.11.1986 – 3 StR 405/​86, BGHR StGB § 25 Abs. 2 Mit­tä­ter 1; BGH, Urteil vom 28.05.1986 – 3 StR 103/​86, NStZ 1986, 463; BGH, Beschluss vom 06.10.1989 – 3 StR 80/​89, BGHR AO § 370 Abs. 1 Nr. 1 Mit­tä­ter 3; BGH, Urteil vom 22.05.2003 – 5 StR 520/​02, BGHR AO § 370 Abs. 1 Nr. 1 Täter 4; BGH, Beschluss vom 07.11.2006 – 5 StR 164/​06, wis­tra 2007, 112; BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218, 225 Rn. 42[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 30.06.2005 – 5 StR 12/​05, NStZ 2006, 44; vom 15.01.1991 – 5 StR 492/​90, BGHSt 37, 289, 291; vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218, 226 Rn. 43 jeweils mwN[]