Umsatzssteu­er­hin­ter­zie­hung – und die Dif­fe­renz­be­steue­rung

Nach § 25a Abs. 6 Satz 1 UStG gilt § 22 UStG für die Anwen­dung der Dif­fe­renz­be­steue­rung mit der Maß­ga­be, dass aus den Auf­zeich­nun­gen des Wie­der­ver­käu­fers die Ver­kaufs­prei­se oder die Wer­te nach § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG, die Ein­kaufs­prei­se und die Bemes­sungs­grund­la­gen nach den § 25a Abs. 3 und 4 UStG zu erse­hen sein müs­sen.

Umsatzssteu­er­hin­ter­zie­hung – und die Dif­fe­renz­be­steue­rung

Der Unter­neh­mer ist jeden­falls nicht ver­pflich­tet, eine Ein­gangs­rech­nung zu ver­lan­gen, um hier­aus Auf­zeich­nun­gen vor­zu­neh­men. Der Wie­der­ver­käu­fer ist ledig­lich ver­pflich­tet, den Ver­kaufs­preis, Ein­kaufs­preis und die Bemes­sungs­grund­la­ge auf­zu­zeich­nen. Auch § 22 Abs. 2 Nr. 5 UStG erfor­dert nur die Erfas­sung der Leis­tungs­ein­gangs­sei­te beim Unter­neh­mer, nicht hin­ge­gen den Erhalt oder die Auf­be­wah­rung einer Rech­nung 1. Die Rech­nung wäre nur Vor­aus­set­zung für den Vor­steu­er­ab­zug (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG), der jedoch bei Leis­tun­gen einer Pri­vat­per­son ohne­hin nicht in Betracht kommt.

Soweit das Gericht zu dem Ergeb­nis kommt, dass der Ange­klag­te die Auf­zeich­nungs­pflich­ten aus § 25a Abs. 6 UStG ver­letzt hat, hat es ggf. die Höhe der Dif­fe­renz zu schät­zen (§ 261 StPO), da jeden­falls im Rah­men der Straf­zu­mes­sung die ver­schul­de­ten Aus­wir­kun­gen der Tat zu berück­sich­ti­gen sind (§ 46 Abs. 2 Satz 2 StGB; vgl. BGH, Urtei­le vom 11.07.2002 – 5 StR 516/​01, BGHSt 47, 343, 350 f.; und vom 05.02.2004 – 5 StR 420/​03, NStZ 2004, 579, 580 Rn. 4; Beschluss vom 08.01.2008 – 5 StR 582/​07 Rn. 4, wis­tra 2008, 153). Dies ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund, dass auch die Finanz­ge­rich­te in Fäl­len der feh­ler­haf­ten Auf­zeich­nung von Dif­fe­renz­ge­schäf­ten Schät­zun­gen zulas­sen 2 und eine ander­wei­ti­ge Behand­lung im Straf­pro­zess den straf­recht­li­chen Grund­satz "in dubio pro reo" außer Acht las­sen wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Sep­tem­ber 2018 – – 1 StR 642/​17

  1. vgl. Heid­ner in Bun­jes, UStG, 17. Aufl., § 22 Rn. 25[]
  2. vgl. FG Ber­lin, Urteil vom 21.12 1999 – 7 K 5176/​98, EFG 2000, 521, 523; Hes­si­sches FG, Beschluss vom 14.02.2008 – 6 – V 1019/​07 Rn. 41[]