Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung – und Berück­sich­ti­gung der Vor­steu­er

Nach § 15 Abs.1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann ein Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, in Abzug brin­gen.

Umsatz­steu­er­hin­ter­zie­hung – und Berück­sich­ti­gung der Vor­steu­er

Für die Fra­ge, wann die Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug vor­lie­gen müs­sen, kommt es dabei nicht auf den Zeit­punkt der Abga­be der Steu­er­an­mel­dung an, in wel­cher der Vor­steu­er­ab­zug vor­ge­nom­men wird. Viel­mehr ist ein Vor­steu­er­ab­zug gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG dann zuläs­sig, wenn des­sen Vor­aus­set­zun­gen zum Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Lie­fe­run­gen bzw. sons­ti­gen Leis­tun­gen vor­la­gen 1.

Die Berech­ti­gung zum Vor­steu­er­ab­zug ent­fällt nur dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge selbst eine Steu­er­hin­ter­zie­hung begeht oder wenn er wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen, dass er an einem Umsatz betei­ligt ist, der in eine Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen ist, und er des­halb als Betei­lig­ter die­ser Hin­ter­zie­hung anzu­se­hen ist 2.

Eine ein­mal bestehen­de Berech­ti­gung zum Vor­steu­er­ab­zug ent­fällt nicht des­halb nach­träg­lich wie­der, weil der Unter­neh­mer nach dem Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Lie­fe­run­gen oder sons­ti­gen Leis­tun­gen von Umstän­den Kennt­nis erlangt, die einem Vor­steu­er­ab­zug ent­ge­gen­ge­stan­den hät­ten, wenn er sie bereits beim Bezug der Waren bzw. Abwick­lung des Geschäfts gekannt hät­te 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. August 2019 – 1 StR 184/​19

  1. BGH, Beschlüs­se vom 02.09.2015 – 1 StR 239/​15 Rn. 12 f.; vom 19.11.2014 – 1 StR 219/​14 Rn. 9 f.; und vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13, BGHR UStG § 15 Vor­steu­er­ab­zug 5 Rn. 13[]
  2. EuGH, Urteil vom 06.07.2006 – C‑439/​04 und C‑440/​04 "Kit­tel und Recol­ta Recy­cling", DStR 2006 Rn. 53, 55 f.; und vom 18.12.2014 – C‑131/​13 u.a. "Ital­mo­da", DStR 2015, 573 Rn. 50, 62; sie­he auch BGH, Beschlüs­se vom 02.09.2015 – 1 StR 239/​15 Rn. 12; vom 19.11.2014 – 1 StR 219/​14 Rn. 9 f.; und vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13 aaO[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 02.09.2015 – 1 StR 239/​15 Rn. 12 f.; vom 19.11.2014 – 1 StR 219/​14 Rn. 9 f.; und vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13 aaO[]