Umsatz­steu­er­ka­rus­sell

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann ein Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, abzie­hen. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs setzt dabei vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach §§ 14, 14a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt.

Umsatz­steu­er­ka­rus­sell

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist der Vor­steu­er­ab­zug dann zu ver­sa­gen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge – im uni­ons­recht­li­chen Sin­ne – selbst eine Steu­er­hin­ter­zie­hung begeht oder wenn er wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen, dass er sich mit sei­nem Erwerb an einem Umsatz betei­ligt, der in eine Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen ist und er des­we­gen als an die­ser Hin­ter­zie­hung Betei­lig­ter anzu­se­hen ist [1].

Für die Fra­ge, wann die Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug vor­lie­gen müs­sen, kommt es nicht auf den Zeit­punkt der Abga­be der Steu­er­an­mel­dung an, in wel­cher der Vor­steu­er­ab­zug vor­ge­nom­men wird. Viel­mehr ist ein Vor­steu­er­ab­zug gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG dann zuläs­sig, wenn des­sen Vor­aus­set­zun­gen zum Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Lie­fe­run­gen bzw. sons­ti­gen Leis­tun­gen vor­ge­le­gen haben. Eine ein­mal bestehen­de Berech­ti­gung zum Vor­steu­er­ab­zug ent­fällt auch nicht des­halb nach­träg­lich wie­der, weil der Unter­neh­mer spä­ter von Umstän­den Kennt­nis erlangt, die einem Vor­steu­er­ab­zug ent­ge­gen­ge­stan­den hät­ten, wenn er sie bereits beim Bezug der Waren gekannt hät­te [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2015 – 1 StR 239/​15

  1. EuGH, Urteil vom 06.07.2006 in den Rechts­sa­chen C439/​04 und C440/​04 "Kit­tel und Recol­ta Recy­cling", Slg. 2006, I6161, Rn. 53, 55 f.; und vom 18.12 2014, Rechts­sa­che C131/​13 u.a., Ital­mo­da, DStR 2015, 573; sie­he auch BGH, Beschlüs­se vom 19.11.2014 – 1 StR 219/​14, wis­tra 2015, 147; und vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13, NStZ 2014, 331 ff.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 19.11.2014 – 1 StR 219/​14, wis­tra 2015, 147; und vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13, NStZ 2014, 331 ff.[]