Ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen – und die Steu­er­hin­ter­zie­hung

Die steu­er­straf­recht­li­chen Fol­gen einer ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung hän­gen von den Anga­ben in der Steu­er­erklä­rung ab. Eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung ist weder steu­er­recht­lich noch straf­recht­lich ver­bo­ten und daher für sich allein kei­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung 1.

Ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen – und die Steu­er­hin­ter­zie­hung

Eine Steu­er­ver­kür­zung liegt viel­mehr nur in dem Umfang vor, in dem die Ver­schleie­rung der ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung ent­ge­gen § 8 Abs. 3 Satz 3 KStG zu einer schein­ba­ren Min­de­rung des steu­er­li­chen Ein­kom­mens der Gesell­schaft i.S.v. § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG geführt hat.

Ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen im Sin­ne des § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG sind bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ein­ge­tre­te­ne Ver­mö­gens­min­de­run­gen oder ver­hin­der­te Ver­mö­gens­meh­run­gen, die durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst sind, sich auf die Höhe des Unter­schieds­be­tra­ges gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG aus­wir­ken und in kei­nem Zusam­men­hang mit einer offe­nen Aus­schüt­tung ste­hen 2.

Die Zuwen­dung von Ver­mö­gens­vor­tei­len an den Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer durch Über­nah­me der Anschaf­fungs­kos­ten von Wirt­schafts­gü­tern für die eigen­ge­nutz­ten Pri­vat­woh­nun­gen ist jeweils allein durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst. Es steht außer Zwei­fel, dass die dem Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer gewähr­ten Vor­tei­le bei Anwen­dung der Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters einem Nicht­ge­sell­schaf­ter nicht gewährt wor­den wären 3.

Aller­dings ist im Hin­blick auf die ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tun­gen für den Hin­ter­zie­hungs­um­fang nicht von den jewei­li­gen Brut­to­rech­nungs­be­trä­gen in vol­ler Höhe aus­zu­ge­hen, wenn die ver­meint­lich ange­schaff­ten Wirt­schafts­gü­ter als Betriebs­ver­mö­gen akti­viert wur­den, so dass inso­weit ein gewinn­neu­tra­ler Aktiv­tausch vor­liegt 4. Damit wur­de im Ergeb­nis ledig­lich in Höhe der in den betref­fen­den Jah­ren gel­tend gemach­ten Abschrei­bun­gen eine § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG wider­spre­chen­de Min­de­rung des steu­er­li­chen Ein­kom­mens der Gesell­schaf­ten gel­tend gemacht und der Fest­set­zung der Kör­per­schaft­steu­er zugrun­de gelegt.

Auch ist zu beach­ten, dass es trotz der unzu­tref­fen­den steu­er­li­chen Behand­lung der ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tun­gen nicht zu einer zu nied­ri­gen Steu­er­fest­set­zung und damit zu kei­ner Steu­er­ver­kür­zung i.S.v. § 370 Abs. 4 AO kom­men kann. So tritt eine Ver­kür­zung tarif­li­cher Kör­per­schaft­steu­er (vgl. § 23 Abs. 1 KStG aF) nicht ein, wenn das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men der GmbH in den betref­fen­den Jah­ren trotz Hin­zu­rech­nung der ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung nicht posi­tiv ist, so dass kei­ne tarif­li­che Kör­per­schaft­steu­er ange­fal­len ist.

Aller­dings ist in einem sol­chen Fall ggfs. zu beach­ten, dass sich durch die Her­stel­lung der Aus­schüt­tungs­be­las­tung je nach vor­han­de­nem ver­wend­ba­ren Eigen­ka­pi­tal bei der Gesell­schaft die geschul­de­te Kör­per­schaft­steu­er um den Unter­schieds­be­trag zwi­schen Tarif­be­las­tung und Aus­schüt­tungs­be­las­tung min­dern oder erhö­hen kann (§ 27 Abs. 1 KStG aF).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Dezem­ber 2015 – 1 StR 154/​15

  1. vgl. Jäger in Klein, AO, 12. Aufl., § 370 Rn. 53 mwN[]
  2. zum Begriff der ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tung vgl. BGH, Beschluss vom 06.09.2012 – 1 StR 140/​12, BGHSt 58, 1 mit Nach­wei­sen aus der Recht­spre­chung des BFH[]
  3. zum Fremd­ver­gleich vgl. BGH, Beschluss vom 06.09.2012 – 1 StR 140/​12, BGHSt 58, 1 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 1991 – 5 StR 599/​91[]