Vor­steu­er­über­schuss – und die voll­ende­te Steu­er­hin­ter­zie­hung

Schlie­ßen Umsatz­steu­er­an­mel­dun­gen mit einem Über­schuss der Vor­steu­er­be­trä­ge über die Umsatz­steu­er­be­trä­ge, han­delt es sich mit­hin um Fäl­le der Steu­er­ver­gü­tung i.S.v. § 168 Satz 2 AO [1]. In den Kon­stel­la­tio­nen des § 168 Satz 2 AO tritt der Voll­endungs­er­folg aber erst mit der Zustim­mung der Finanz­be­hör­de ein.

Vor­steu­er­über­schuss – und die voll­ende­te Steu­er­hin­ter­zie­hung

Das Straf­ur­teil bedarf daher in die­sem Fall aus­drück­li­cher Fest­stel­lun­gen im Hin­blick auf die zur Voll­endung der Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen jeweils erfor­der­li­chen Zustim­mun­gen der Finanz­be­hör­den bei dem fest­ge­stell­ten Vor­lie­gen von Steu­er­ver­gü­tun­gen gemäß § 168 Satz 2 AO.

Der­je­ni­ge, der in Umsatz­steu­er­erklä­run­gen die in einer Rech­nung aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er als Vor­steu­er gel­tend macht, macht unrich­ti­ge Anga­ben über steu­er­lich erheb­li­che Tat­sa­chen i.S.v. § 370 Abs. 1 Nr. 1 AO, wenn er sich mit dem der Rech­nung zugrun­de lie­gen­den Erwerb an einem in eine "Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung" ein­be­zo­ge­nen Umsatz betei­lig­te [2]. Ein Recht zum Vor­steu­er­ab­zug besteht aus sol­chen Rech­nun­gen nicht.

Das Recht zum Vor­steu­er­ab­zug (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG) ent­fällt jedoch nur dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge im Zeit­punkt des Leis­tungs­be­zu­ges von der Ein­be­zie­hung in die "Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung" wuss­te oder hät­te wis­sen müs­sen [3].

Ange­sichts der Maß­geb­lich­keit des Zeit­punkts des Leis­tungs­be­zugs lässt eine zeit­lich danach ein­tre­ten­de Kennt­nis von der Ein­bin­dung in die "Mehr­wert­steu­er­hin­ter­zie­hung" das Recht zum Vor­steu­er­ab­zug nicht ent­fal­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Okto­ber 2014 – 1 StR 182/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.07.2014 – 1 StR 196/​14, wis­tra 2014, 486 mwN[]
  2. sie­he nur BGH, Beschluss vom 08.02.2011 – 1 StR 24/​10, NJW 2011, 1616[]
  3. BGH, Beschluss vom 01.10.2013 – 1 StR 312/​13, NStZ 2014, 331, 333 Rn. 16 ff. mwN[]