Ziga­ret­ten­schmu­gel, hin­ter­zo­ge­ne Steu­ern – und der Ver­fall

Ein Täter kann auch dadurch etwas i.S.v. § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB erlan­gen, dass er sich Auf­wen­dun­gen erspart. Infol­ge­des­sen kann bei einer Steu­er­hin­ter­zie­hung auch ein Betrag in Höhe nicht gezahl­ter Steu­ern dem Ver­fall von Wert­er­satz unter­lie­gen 1, wobei aller­dings der Ver­falls­an­ord­nung regel­mä­ßig Ansprü­che des Steu­er­fis­kus i.S.v. § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB ent­ge­gen­ste­hen 2.

Ziga­ret­ten­schmu­gel, hin­ter­zo­ge­ne Steu­ern – und der Ver­fall

Ein Steu­er­heh­ler hat jedoch die vom Ver­brin­ger hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern und Abga­ben weder aus der Tat noch für die Tat erlangt. Er erspart sich "aus der Tat" auch nicht Auf­wen­dun­gen, nur weil er die Ware güns­ti­ger bezie­hen kann und wegen der Tat für die (zuvor) ver­kürz­ten Steu­ern gemäß § 71 AO haf­tet.

Viel­mehr erlangt der Steu­er­heh­ler, indem er die Ziga­ret­ten ankauft oder sich sonst ver­schafft, zunächst die Ziga­ret­ten und durch den anschlie­ßen­den Wei­ter­ver­kauf den hier­aus erziel­ten Erlös 3.

Die Auf­wen­dun­gen des Steu­er­heh­lers für den Erwerb der Ziga­ret­ten blei­ben dabei unbe­rück­sich­tigt 4.

Ist der Steu­er­heh­ler auch Emp­fän­ger im Sin­ne des § 23 Abs. 1 Satz 2 TabStG, hat er dane­ben die Auf­wen­dun­gen für die beim Ver­brin­gen der Ziga­ret­ten in das deut­sche Steuerge­biet ent­stan­de­ne Tabak­steu­er erspart 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2015 – 1 StR 613/​14

  1. BGH, Beschluss vom 13.07.2010 – 1 StR 239/​10, wis­tra 2010, 406[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.11.2000 – 5 StR 371/​00, NStZ 2001, 155[]
  3. BGH, Beschluss vom 28.06.2011 – 1 StR 37/​11, wis­tra 2011, 394[][]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.2010 – 1 StR 245/​09, NStZ 2011, 83 mwN[]