Ziga­ret­ten­schmug­gel – mit­tä­ter­schaft­li­che Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen

Täter – auch Mit­tä­ter – einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen gemäß § 370 Abs. 1 Nr. 2 AO kann nur der­je­ni­ge sein, der selbst zur Auf­klä­rung steu­er­lich erheb­li­cher Tat­sa­chen beson­ders ver­pflich­tet ist 1.

Ziga­ret­ten­schmug­gel – mit­tä­ter­schaft­li­che Tabak­steu­er­hin­ter­zie­hung durch Unter­las­sen

Gemäß § 19 TabStG aF ent­steht die deut­sche Tabak­steu­er, wenn Tabak­wa­ren unzu­läs­si­ger Wei­se ent­ge­gen § 12 Abs. 1 TabStG aF aus dem frei­en Ver­kehr ande­rer Mit­glied­staa­ten zu gewerb­li­chen Zwe­cken in das Steuerge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­bracht wer­den. Das Über­füh­ren der Ziga­ret­ten aus Polen, die sich dort im frei­en Ver­kehr befan­den, nach Deutsch­land ohne Inan­spruch­nah­me des inner­ge­mein­schaft­li­chen Steu­er­ver­sand­ver­fah­rens (§ 16 Abs. 1 Satz 1 TabStG aF) ist ein gewerb­li­ches unver­steu­er­tes Ver­brin- gen. Für die Ziga­ret­ten war des­halb unver­züg­lich nach dem Ver­brin­gen in das Steuerge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine Steu­er­erklä­rung abzu­ge­ben (§ 19 Satz 3 TabStG aF). Mit der Miss­ach­tung die­ser Pflicht wur­de die deut- sche Tabak­steu­er gemäß § 370 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 4 Satz 1 AO hin­ter­zo­gen 2.

Steu­er­schuld­ner ist, wer Tabak­wa­ren ver­bringt oder ver­sen­det und der Emp­fän­ger, sobald er Besitz an den Tabak­wa­ren erlangt hat (§ 19 Satz 1 TabStG aF). Dafür ist zwar nicht ent­schei­dend, dass der Steu­er­schuld­ner die Ziga­ret­ten selbst aus einem ande­ren Mit­glied­staat nach Deutsch­land trans­por­tiert, aller­dings ist ein gewis­ses Maß an Herr­schaft über die Tabak­wa­ren beim Ver­brin­gen nach Deutsch­land erfor­der­lich. So wird als Ver­brin­ger auch ange­se­hen, wer kraft sei­ner Wei­sungs­be­fug­nis beherr­schen­den Ein­fluss auf das Trans­port­fahr­zeug hat, indem er die Ent­schei­dung zur Durch­füh­rung des Trans­ports trifft oder die Ein­zel­hei­ten der Fahrt (z.B. Rou­te, Ort, Zeit­ab­fol­ge) bestimmt 3.

Schlie­ßen sich meh­re­re Täter zu einer Ban­de zusam­men, so hat dies nicht zur Fol­ge, dass jede von einem Ban­den­mit­glied began­ge­ne Tat einem ande­ren Ban­den­mit­glied ohne wei­te­res als gemein­schaft­lich began­ge­ne Tat im Sin­ne des § 25 Abs. 2 StGB zuge­rech­net wer­den kann. Die Fra­ge, ob die Betei­li­gung als Mit­tä­ter­schaft oder Bei­hil­fe zu wer­ten ist, beur­teilt sich viel­mehr nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen 4. Danach ist Mit­tä­ter im Sin­ne von § 25 Abs. 2 StGB, wer einen eige­nen Tat­bei­trag leis­tet und die­sen so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint. Zwar kann für die Ein­ord­nung als Mit­tä­ter­schaft ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag aus­rei­chen, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die objek­tiv aus einem wesent­li­chen Tat­bei­trag bestehen­de Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. März 2017 – 1 StR 451/​16

  1. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218 mwN; BGH, Beschluss vom 14.10.2015 – 1 StR 521/​14, wis­tra 2016, 74[]
  2. BGH, Beschluss vom 01.02.2007 – 5 StR 372/​06, wis­tra 2007, 224 – 228[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 01.02.2007 – 5 StR 372/​06, NStZ 2007, 590; BGH, Urteil vom 14.03.2007 – 5 StR 461/​06, NStZ 2007, 592; BGH, Beschluss vom 14.10.2015 – 1 StR 521/​14, wis­tra 2016, 74[]
  4. BGH, Beschluss vom 19.01.2012 – 2 StR 590/​11, NStZ 2012, 517[]
  5. BGH, Urtei­le vom 30.06.2005 – 5 StR 12/​05, NStZ 2006, 44; und vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, BGHSt 58, 218; Beschlüs­se vom 14.07.2016 – 3 StR 129/​16, Stra­Fo 2016, 392; und vom 20.10.2016 – 3 StR 321/​16[]