Straf­be­frei­en­der Rück­tritt vom been­de­ten Ver­such eines Tötungs­de­likts

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt ein unbe­en­de­ter Ver­such auch dann in Betracht, wenn der Täter nach sei­nem Han­deln den Erfolgs­ein­tritt zwar für mög­lich hält, unmit­tel­bar dar­auf aber zu der Annah­me gelangt, sein bis­he­ri­ges Tun kön­ne den Erfolg doch nicht her­bei­füh­ren und er nun­mehr von wei­te­ren fort­be­stehen­den Hand­lungs­mög­lich­kei­ten zur Her­bei­füh­rung des Erfol­ges absieht 1.

Straf­be­frei­en­der Rück­tritt vom been­de­ten Ver­such eines Tötungs­de­likts

Die Fra­ge, ob nach die­sen Rechts­grund­sät­zen von einem been­de­ten oder unbe­en­de­ten Ver­such aus­zu­ge­hen ist, bedarf ins­be­son­de­re dann ein­ge­hen­der Erör­te­rung, wenn das ange­grif­fe­ne Tat­op­fer nach der letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung noch – vom Täter wahr­ge­nom­men – zu kör­per­li­chen Reak­tio­nen fähig ist, die geeig­net sind, Zwei­fel dar­an auf­kom­men zu las­sen, das Opfer sei bereits töd­lich ver­letzt.

So liegt es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs etwa in dem Fall, dass das Opfer noch in der Lage ist, sich vom Tat­ort weg­zu­be­we­gen 2. Ein sol­cher Umstand kann geeig­net sein, die Vor­stel­lung des Täters zu erschüt­tern, alles zur Errei­chung des gewoll­ten Erfolgs getan zu haben 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Janu­ar 2017 – 1 StR 604/​16

  1. st. Rspr.; vgl. dazu BGH, Urteil vom 17.07.2014 – 4 StR 158/​14, NStZ 2014, 569 f.; Beschluss vom 17.12 2014 – 2 StR 78/​14, NStZ-RR 2015, 106 f.; Urteil vom 19.07.1987 – 2 StR 270/​89, BGHSt 36, 224; Beschlüs­se vom 07.11.2001 – 2 StR 428/​01, NStZ-RR 2002, 73; und vom 08.07.2008 – 3 StR 220/​08, NStZ-RR 2008, 335[]
  2. BGH, Urteil vom 17.07.2014 – 4 StR 158/​14, NStZ 2014, 569 f.; Beschluss vom 17.12 2014 – 2 StR 78/​14, NStZ-RR 2015, 106 f. jeweils mit zahlr. Nachw.[]
  3. BGH jeweils aaO[]