Straf­pro­zes­sua­le Ran­gän­de­rung im Grund­buch?

Ein Zulas­sungs­be­schluss i. S. v. § 111h Abs. 2 StPO ersetzt die mate­ri­ell-recht­lich erfor­der­li­che ding­li­che Eini­gung nach § 880 Abs. 2 Satz 1 BGB und damit die grund­buch­recht­li­che Bewil­li­gung nach § 19 GBO nicht.

Straf­pro­zes­sua­le Ran­gän­de­rung im Grund­buch?

Das Rang­ver­hält­nis unter meh­re­ren Rech­ten, mit denen ein Grund­stück belas­tet ist, kann nach­träg­lich geän­dert wer­den, § 880 Abs. 1 BGB. Zu der Ran­gän­de­rung ist mate­ri­ell-recht­lich grund­sätz­lich die Eini­gung des zurück­tre­ten­den mit dem vor­tre­ten­den Berech­tig­ten und die Ein­tra­gung der Ände­rung in das Grund­buch erfor­der­lich, § 880 Abs. 2 Satz 1 1. Hs. BGB. Fer­ner ist nach § 880 Abs. 2 Satz 2 BGB grund­sätz­lich zusätz­lich die Zustim­mung des Eigen­tü­mers erfor­der­lich, sofern – wie vor­lie­gend – eine Hypo­thek, eine Grund­schuld oder eine Ren­ten­schuld zurück­tre­ten soll.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind vor­lie­gend nicht gege­ben. Zwar bedarf es im – wie hier – Anwen­dungs­be­reich des § 111 h StPO einer Zustim­mung im letzt­ge­nann­ten Sin­ne nach § 111 h Absatz 1 Satz 3 StPO nicht. Den­noch ist auch in die­sem Fall nach § 111 h Abs. 1 Satz 4 StPO im Übri­gen § 880 BGB sinn­ge­mäß anzu­wen­den. Da es sich inso­weit um eine Rechts­grund­ver­wei­sung han­delt [1], ist daher auch im Fall des § 111 h StPO für den mate­ri­ell-recht­lich wirk­sa­men Rang­rück­tritt wei­ter­hin die ding­li­che Eini­gung der betei­lig­ten Grund­pfand­rechts­gläu­bi­ger erfor­der­lich [2].

Eine dies­be­züg­li­che for­ma­le Ein­tra­gungs­be­wil­li­gung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg i. S. der §§ 19, 29 GBO hat der Antrag­stel­ler nicht vor­ge­legt. Ent­ge­gen sei­ner Auf­fas­sung ist die­se auch nicht im Hin­blick auf den Beschluss des Amts­ge­richts Stutt­gart vom 02.01.2013 ent­behr­lich. Denn ein Zulas­sungs­be­schluss i. S. v. § 111 h Abs. 2 StPO ersetzt die mate­ri­ell-recht­lich erfor­der­li­che ding­li­che Eini­gung nach § 880 Abs. 2 Satz 1 BGB und damit die grund­buch­recht­li­che Bewil­li­gung nach § 19 GBO nicht [3].

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 17. Okto­ber 2013 – 4 W 185/​13

  1. vgl. Huber, Rpfle­ger 2002, 285, 293[]
  2. vgl. Huber, a. a. O.; Rogall in SK-StPO, 4. Aufl., § 111 h Rn. 11[]
  3. vgl. Huber, a. a. O., S. 293; Rogall, a. a. O., Rn. 10, 12[]