Straf­rah­men­ver­schie­bung auf­grund von Trun­ken­heit

Eine Straf­rah­men­ver­schie­bung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB kommt im Fal­le einer alko­hol­be­ding­ten Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit in Betracht, wenn sie auf einer Trun­ken­heit beruht, die dem Täter unein­ge­schränkt vor­werf­bar ist.

Straf­rah­men­ver­schie­bung auf­grund von Trun­ken­heit

Ein die Steue­rungs­fä­hig­keit erheb­lich beein­träch­ti­gen­der Alko­hol­rausch ist jedoch dann nicht unein­ge­schränkt vor­werf­bar, wenn der Täter alko­hol­krank oder über­emp­find­lich ist.

Eine Alko­hol­er­kran­kung, bei der schon die Alko­hol­auf­nah­me nicht als schul­d­er­hö­hen­der Umstand zu wer­ten ist, liegt regel­mä­ßig vor, wenn der Täter den Alko­hol auf­grund eines unwi­der­steh­li­chen oder ihn weit­ge­hend beherr­schen­den Han­ges trinkt, der sei­ne Fähig­keit ein­schränkt, der Ver­su­chung zum über­mä­ßi­gen Alko­hol­kon­sum zu wider­ste­hen 1.

Eine Alko­hol­ab­hän­gig­keit reicht für sich betrach­tet grund­sätz­lich nicht aus, um den Alko­hol­kon­sum als unver­schul­det ein­zu­stu­fen 2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hätt sich das Land­ge­richt jedoch mit Blick auf das Vor­le­ben des Ange­klag­ten, das von lang­jäh­ri­gem Alko­hol­kon­sum seit dem 15. Lebens­jahr und zahl­rei­chen unter erheb­li­chem Alko­hol­ein­fluss began­ge­nen Straf­ta­ten gekenn­zeich­net war, sei­ne dis­so­zia­le Per­sön­lich­keits­stö­rung, die vom psych­ia­tri­schen Sach­ver­stän­di­gen mit­ge­teil­ten vege­ta­ti­ven Sym­pto­me bei erzwun­ge­ner Alko­hol­ab­sti­nenz sowie den Alko­hol­kon­sum des Ange­klag­ten vor der Tat – zum Zeit­punkt der Blut­ent­nah­me um 01:27 Uhr betrug sei­ne Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on 2,94 ‰, die Rück­rech­nung auf die Tat­zeit gegen 21 Uhr ergab 3,71 ‰ – im Rah­men der Prü­fung einer Straf­rah­men­mil­de­rung nach §§ 21, 49 Abs. 1 StGB mit der Fra­ge einer sol­chen Alko­hol­er­kran­kung des Ange­klag­ten aus­ein­an­der­set­zen müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2015 – 5 StR 341/​15

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 02.08.2012 – 3 StR 216/​12, NStZ 2012, 687[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.06.2008 – 3 StR 84/​08, NStZ 2009, 258; Beschluss vom 16.01.2008 – 3 StR 479/​07, NStZ 2008, 330[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.10.2015 – 3 StR 63/​15[]