Straf­recht im Mai 2015

Gehack­te eBay-Accounts und das Mes­ser als Waf­fe. Ver­typ­te Straf­mil­de­rungs­grün­de, Durch­su­chungs­be­schlüs­se und die Nach­ho­lung der Straf­voll­stre­ckung; Umsatz­steu­er­ka­rus­sel­le und Hanf­an­bau. Rechts­ge­sprä­che und Trans­pa­renz­ge­bot. Und die Al Qai­da-Mit­glie­der­wer­bung.

Zwei­fel an der Wirk­sam­keit einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me

Zustän­di­ges Gericht bei Zwei­feln an der vor dem Beru­fungs­ge­richt erklär­ten Rechts­mit­tel­rück­nah­me ist allein die Klei­ne Straf­kam­mer. Gegen ihre Ent­schei­dung ist die sofor­ti­ge Beschwer­de statt­haft.

Die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer hat den Antrag zu Unrecht als Ein­wen­dun­gen gegen die Zuläs­sig­keit der Straf­voll­stre­ckung nach § 458 Abs. 1 Var. 3 StPO aus­ge­legt (§ 300 StPO). Zwar kön­nen mit dem Rechts­be­helf des § 458 StPO durch den Ver­ur­teil­ten Voll­stre­ckungs­hin­der­nis­se gel­tend gemacht wer­den, zu denen grund­sätz­lich auch die feh­len­de Rechts­kraft der Voll­stre­ckungs­grund­la­ge gehört 1. Soweit der Ver­ur­teil­te aber die Wirk­sam­keit einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me bestrei­tet, erweist sich der – zunächst an die Staats­an­walt­schaft als Voll­stre­ckungs­be­hör­de gerich­te­te, sodann vom Gericht ers­ter Instanz bzw. nach § 462a Abs. 1 S. 1 i.V.m. § 462 Abs. 1 StPO von der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer zu ent­schei­den­de – Rechts­be­helf des § 458 StPO als unzu­läs­sig, weil der Streit über die Wirk­sam­keit der Rechts­mit­tel­rück­nah­me aus­schließ­lich durch das Rechts­mit­tel­ge­richt zu klä­ren ist.

Bei Zwei­feln an der Wirk­sam­keit einer Rechts­mit­tel­rück­nah­me hat das Rechts­mit­tel­ge­richt, sofern es bereits mit der Sache befasst war, dar­über eine fest­stel­len­de Klä­rung durch förm­li­che Ent­schei­dung her­bei­zu­füh­ren 2. Zustän­di­ges Gericht ist bei Zwei­feln an der vor dem Beru­fungs­ge­richt erklär­ten Rechts­mit­tel­rück­nah­me die Klei­ne Straf­kam­mer. Gegen ihre Ent­schei­dung ist die sofor­ti­ge Beschwer­de statt­haft.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 11. März 2015 – 1 Ws 32/​15

  1. vgl. Han­sOLG Ham­burg, Beschl. vom 30.06.2009 – 2 Ws 118/​09, VRS 117 (2009), 201 [zu Zwei­feln an der wirk­sa­men Zustel­lung eines Gesamt­stra­fen­be­schlus­ses]; Graal­mann-Schee­rer in LR 26. Aufl., § 458 StPO Rn. 6; Schmitt in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt StPO 57. Aufl. § 458 StPO Rn. 10[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 12.07.2000 – 3 StR 257/​00; Beschluss vom 05.02.2014 – 1 StR 527/​13; Beck­OK StPO/​Cirener § 302 Rn. 13 m.w.N.[]