Straf­ur­teil – und die Iden­ti­tät von aus­ge­ur­teil­ter Tat und ange­klag­tem Sach­ver­halt

Aus der feh­len­den Iden­ti­tät zwi­schen der aus­ge­ur­teil­ten Tat und dem von der Ankla­ge­schrift erfass­ten Sach­ver­halt ergibt sich ein Ver­fah­rens­hin­der­nis.

Straf­ur­teil – und die Iden­ti­tät von aus­ge­ur­teil­ter Tat und ange­klag­tem Sach­ver­halt

Gegen­stand der Urteils­fin­dung ist gemäß § 264 Abs. 1 StPO die in der Ankla­ge bezeich­ne­te Tat, wie sie sich nach dem Ergeb­nis der Ver­hand­lung dar­stellt. Die Wah­rung der Iden­ti­tät der pro­zes­sua­len Tat trotz Ver­än­de­rung des Tat­bil­des ist nach dem Kri­te­ri­um der „Näm­lich­keit” der Tat zu beur­tei­len.

Eine sol­che ist gege­ben, wenn unge­ach­tet gewis­ser Dif­fe­ren­zen bestimm­te Merk­ma­le die Tat wei­ter­hin als ein­ma­li­ges unver­wech­sel­ba­res Gesche­hen kenn­zeich­nen1.

Für das Tat­bild bestim­mend sind in der Regel der Ort und die Zeit des Gesche­hens, das Täter­ver­hal­ten, die ihm inne­woh­nen­de Rich­tung und das Opfer bezie­hungs­wei­se das Objekt, auf das sich der Vor­gang bezieht2. Maß­geb­lich sind auch hier stets die tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls3.

Ein von der Straf­kam­mer in der Haupt­ver­hand­lung erteil­ter Hin­weis auf einen mög­li­cher­wei­se von der Ankla­ge­schrift abwei­chen­den Tat­zeit­punkt ver­mag das Ver­fah­rens­hin­der­nis der feh­len­den Ankla­ge nicht zu besei­ti­gen; denn auch durch einen gericht­li­chen Hin­weis gemäß § 265 StPO darf die Straf­kla­ge nicht in der Form umge­stal­tet wer­den, dass das ange­klag­te Gesche­hen durch ein ande­res ersetzt wird4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. August 2018 – 4 StR 200/​18

  1. BGH, Urtei­le vom 20.11.2014 – 4 StR 153/​14, Stra­Fo 2015, 68, 69; vom 22.06.2006 – 3 StR 79/​06, NStZ-RR 2016, 316 f.; vom 21.12 1983 – 2 StR 578/​83, BGHSt 32, 215, 218; Beschluss vom 27.02.2018 – 2 StR 390/​17 18; KK-StPO/Kuck­ein, aaO, § 264 Rn. 16
  2. BGH, Urteil vom 21.12 1983 – 2 StR 578/​83, BGHSt 32, 215, 218; Beschluss vom 27.02.2018 – 2 StR 390/​17 18
  3. vgl. BGH, Urteil vom 18.12 2012 – 1 StR 415/​12, BGHR StPO § 264 Abs. 1 Aus­schöp­fung 5; Beschluss vom 19.12 2017 – 1 StR 542/​17 8
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.09.2000 – 3 StR 88/​00; bei Becker, NStZ-RR 2001, 257, 262 f.; vom 03.08.1998 – 5 StR 311/​98, NStZ-RR 1999, 303; vom 27.05.1992 – 2 StR 94/​92, wis­tra 1992, 266; LR-StPO/S­tu­cken­berg, 26. Aufl., § 265 Rn. 9; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, aaO, § 265 Rn. 6