Ände­rung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge – und die gericht­li­che Zustän­dig­keit

Bei einer erstreb­ten Ände­rung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge ist für die gericht­li­che Ent­schei­dung nicht die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer nach §§ 458 Abs. 2, 454b Abs. 2 StPO, son­dern der Straf­se­nat beim Ober­lan­des­ge­richt nach §§ 23 ff. EGGVG sach­lich zustän­dig.

Ände­rung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge – und die gericht­li­che Zustän­dig­keit

Die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer ist nicht nach §§ 458 Abs. 2, 454b Abs. 2 StPO für die Ent­schei­dung über die Ein­wen­dun­gen des Ver­ur­teil­ten gegen die Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge zustän­dig. Das Ver­fah­ren nach § 458 StPO fin­det nur Anwen­dung auf die aus­drück­lich in § 454b StPO gere­gel­ten Fäl­le der Voll­stre­ckungs­un­ter­bre­chung. Für alle ande­ren Fäl­le ist der Rechts­weg nach §§ 21 StVoll­s­trO, 23 ff EGGVG eröff­net [1].

Die vom Ver­ur­teil­ten begehr­te Umstel­lung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge fin­det in § 454b Abs. 2 Satz 1 StPO kei­ne Grund­la­ge. § 454b Abs. 2 Satz 2 StPO bestimmt, dass § 454b Abs. 2 Satz 1 StPO auf Straf­res­te, die – wie vor­lie­gend – auf­grund Wider­rufs ihrer Aus­set­zung voll­streckt wer­den, nicht anzu­wen­den ist. Inso­weit gilt – ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich – § 43 Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 StVoll­s­trO, wonach in der Regel Straf­res­te, deren Voll­stre­ckung bereits nach § 57 StGB zur Bewäh­rung aus­ge­setzt waren, vor­ab voll­streckt wer­den [2]. Die Fra­ge, ob hier die Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge aus wich­ti­gem Grund gemäß § 43 Abs. 4 StVoll­s­trO geän­dert wird, ist eine Ver­wal­tungs­ent­schei­dung der Voll­stre­ckungs­be­hör­de, die nicht der vol­len Rechts­kon­trol­le durch die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer nach § 458 Abs. 2 StPO unter­liegt [3].

Dies ent­spricht auch dem Rege­lungs­zweck des § 35 Abs. 2 Satz 2 BtMG, wonach Ent­schei­dun­gen der Voll­stre­ckungs­be­hör­de im Zusam­men­hang mit der Zurück­stel­lung der Straf­voll­stre­ckung – die vom Ver­ur­teil­ten bean­trag­te Ände­rung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge dient dem Ziel, mög­lichst schnell eine Zurück­stel­lung der Straf­voll­stre­ckung nach § 35 BtMG zu errei­chen – ledig­lich der Ver­wal­tungs­kon­trol­le im Ver­fah­ren nach §§ 23 ff EGGVG unter­fal­len [3]. Der vol­len Rechts­kon­trol­le durch die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer nach § 458 Abs. 2 StPO unter­lie­gen hin­ge­gen nur die Ent­schei­dun­gen über die Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge, die der Vor­be­rei­tung der Ent­schei­dung über eine Aus­set­zung der Rest­stra­fe nach § 57 Abs. 1 StGB die­nen; nur die­se sind auch in § 454b StPO beson­ders gere­gelt [4].

Da es sich bei der von der Voll­stre­ckungs­be­hör­de zu tref­fen­den Ent­schei­dung über die Ände­rung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge um eine Ent­schei­dung im Rah­men der Ver­wal­tungs­vor­schrift des § 43 Abs. 4 StVoll­s­trO han­delt, die ledig­lich der Rechts­kon­trol­le nach §§ 23 ff EGGVG unter­liegt, hat über die Beschwer­de des Ver­ur­teil­ten gegen die Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft Mem­min­gen vom 28.01.2015 gemäß § 21 Abs. 1 Nr. 1 StVoll­s­trO zunächst die zustän­di­ge Gene­ral­staats­an­walt­schaft zu ent­schei­den, gegen deren Ent­schei­dung – gege­be­nen­falls – die Beschwer­de zum Ober­lan­des­ge­richt nach §§ 23, 25 EGGVG gege­ben ist [5]. Die Sache ist daher an die Staats­an­walt­schaft zur Ein­lei­tung des Beschwer­de­ver­fah­rens nach § 21 StVoll­s­trO unter Beach­tung des § 43 Abs. 5 und 7 StVoll­s­trO zurück­zu­ge­ben.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 31. Juli 2015 – 2 Ws 319 – 322/​15; 2 Ws 319/​15; 2 Ws 320/​15; 2 Ws 321/​15; 2 Ws 322/​15

  1. OLG Kars­l­ru­he, StV 2003, 348; BGH, NJW 1991, 2030; BGH, NJW 2012, 1016; OLG Köln, Beschluss vom 04.08.2009, 2 Ws 361/​09; KK-StPO-Appl, 7. Aufl.2013, § 454b StPO, Rn 28 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, NJW 2012, 1016[]
  3. OLG Köln, Beschluss vom 04.08.2009, 2 Ws 361/​09[][]
  4. vgl. OLG Köln, Beschluss vom 04.08.2009, 2 Ws 361/​09, Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl.2015, § 454b StPO, Rn 2[]
  5. vgl. OLG Köln, Beschluss vom 04.08.2009, 2 Ws 361/​09[]