Der feh­len­de Sicht­schutz­vor­hang für die Toi­let­te in der Ein­zel­zel­le

Die feh­len­de Abtren­nung der Toi­let­te vom übri­gen Raum ver­letzt in Ein­zel­haft­räu­men auch unter Ein­be­zie­hung inter­na­tio­na­ler Stan­dards nicht den Anspruch des Gefan­ge­nen auf Ach­tung sei­ner Men­schen­wür­de, weil grund­sätz­lich die Mög­lich­keit besteht, kör­per­li­che Bedürf­nis­se unter Wah­rung der eige­nen Intim­sphä­re zu ver­rich­ten [1].

Der feh­len­de Sicht­schutz­vor­hang für die Toi­let­te in der Ein­zel­zel­le

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt weist aber dar­auf hin, dass Gefan­ge­ne, in deren Haft­raum die Toi­let­te nicht mit (aus­rei­chen­dem) Sicht­schutz ver­se­hen ist, einen aus Art. 2 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG ver­mit­tel­ten Anspruch auf beson­de­re Rück­sicht­nah­me durch die Bediens­te­ten der jewei­li­gen Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt haben.

Bediens­te­te, die einen sol­chen Haft­raum betre­ten wol­len, müs­sen dies grund­sätz­lich durch Anklop­fen oder in ande­rer Form aus­rei­chend ver­nehm­bar ankün­di­gen, so dass Gefan­ge­nen im Fal­le der Benut­zung der Toi­let­te oder der Wasch­vor­rich­tung ein recht­zei­ti­ger Hin­weis ermög­licht wird. Im Fal­le eines sol­chen Hin­wei­ses haben die Bediens­te­ten vom Betre­ten des Rau­mes, wenn die­ses nicht aus­nahms­wei­se drin­gend gebo­ten erscheint, für eine den Umstän­den ange­mes­se­ne Zeit­span­ne abzu­se­hen.

Bei Ver­stö­ßen gegen die­ses Rück­sicht­nah­me­ge­bot kön­nen sich die betrof­fe­nen Gefan­ge­nen beim Anstalts­lei­ter beschwe­ren (§ 108 StVoll­zG) oder Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung stel­len (§ 109 StVoll­zG) [2].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. März 2020 – 2 BvR 1273/​19

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.11.2007 – 2 BvR 939/​07, Rn.19 ff.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.11.2007 – 2 BvR 939/​07, Rn. 23[]