Die sofort voll­zo­ge­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me im Straf­voll­zug – und die lang­sa­me Bear­bei­tung des gericht­li­chen Eil­an­trags

Muss ein gericht­li­cher Eil­an­trag, um der Rechts­schutz­ga­ran­tie aus Art.19 Abs. 4 GG zu genü­gen, im Hin­blick auf eine nicht mehr rück­gän­gig zu machen­de, sofort voll­zo­ge­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me unver­züg­lich dem zustän­di­gen Rich­ter vor­ge­legt und bear­bei­tet wer­den?

Die sofort voll­zo­ge­ne Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me im Straf­voll­zug – und die lang­sa­me Bear­bei­tung des gericht­li­chen Eil­an­trags

Die­se Fra­ge muss­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung offen las­sen, da die Ver­fas­sungs­be­schwer­de wegen Ver­säu­mens der Monats­frist unzu­läs­sig war. Gleich­wohl schrieb das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Ber­lin [1] deut­li­che Wor­te in den Nicht­an­nah­me­be­schluss:

Ist der Antrag nicht schlüs­sig begrün­det, so wird das Gericht gleich­wohl zu situa­ti­ons­ge­rech­tem Han­deln ohne wei­te­res Zögern ver­pflich­tet sein [2].

Wo die Dring­lich­keit eines Eil­an­tra­ges es erfor­dert, muss das ange­ru­fe­ne Gericht, wenn es eine Stel­lung­nah­me der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ein­holt, die für eine recht­zei­ti­ge Ent­schei­dung erfor­der­li­che Zügig­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on sicher­stel­len [3].

Die­se Maß­stä­be sind bei Post­lauf­zei­ten inner­halb des Gerichts von drei Tagen sowie der Ver­fü­gung einer Stel­lung­nah­me­frist, die zeit­lich nach dem Ende des Voll­zugs der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me liegt, nicht gewahrt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. April 2020 – 2 BvR 1855/​19

  1. LG Ber­lin, Beschluss vom 03.07.3019 – 592 StVK 91/​19 Vollz[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 23.06.1993 – 2 BvR 1808/​92, Rn. 12[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.08.2011 – 2 BvR 1739/​10, Rn. 29[]