Die Ver­le­gung eines Häft­lings – und die Berück­sich­ti­gung fami­liä­rer Belang

Gefan­ge­ne haben bei Ver­le­gungs­ent­schei­dun­gen Anspruch auf eine feh­ler­freie Ermes­sens­aus­übung, die dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewicht des Reso­zia­li­sie­rungs­ziels und der für die Erreich­bar­keit die­ses Ziels maß­ge­ben­den Umstän­de Rech­nung trägt [1].

Die Ver­le­gung eines Häft­lings – und die Berück­sich­ti­gung fami­liä­rer Belang

Für das Reso­zia­li­sie­rungs­ziel, auf das der Straf­voll­zug von Ver­fas­sungs wegen aus­zu­rich­ten ist [2], haben die fami­liä­ren Bezie­hun­gen des Gefan­ge­nen wesent­li­che Bedeu­tung.

Der Staat hat die Pflicht, die Ehe und die Fami­lie durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu schüt­zen und zu för­dern [3]. Art. 6 Abs. 1 GG kommt als wert­ent­schei­den­der Grund­satz­norm auch im Haft­voll­zug beson­de­re Bedeu­tung zu. Regel­mä­ßig för­dern der Bestand und die Stär­kung fami­liä­rer Bezie­hun­gen die Chan­cen der Ein­glie­de­rung des Gefan­ge­nen [4].

Den Belas­tun­gen und Gefähr­dun­gen, die der Voll­zug einer Frei­heits­stra­fe für die­se Bezie­hun­gen natur­ge­mäß bedeu­tet, muss die Aus­ge­stal­tung des Voll­zu­ges daher nicht nur mit Rück­sicht auf das Grund­recht aus Art. 6 Abs. 1 GG, son­dern auch im Hin­blick auf das ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Reso­zia­li­sie­rungs­in­ter­es­se des Gefan­ge­nen nach Kräf­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken suchen [5].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. März 2020 – 2 BvR 1362/​19

  1. vgl. BVerfGK 8, 36, 42; Beschluss vom 20.06.2017 – 2 BvR 345/​17, Rn. 37[]
  2. vgl. BVerfGE 35, 202, 235 f.; 36, 174, 188; 45, 187, 238 f.; 98, 169, 200 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 105, 313, 346; 124, 199, 225; 130, 240, 252[]
  4. vgl. BVerfGE 89, 315, 322; BVerfGK 8, 36, 41 m.w.N.[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 20.06.2017 – 2 BvR 345/​17, Rn. 36[]