Gefan­ge­nen­ent­loh­nung in Rhein­land-Pfalz

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Neu­re­ge­lung der Ver­gü­tung von frei­wil­lig arbei­ten­den Straf­ge­fan­ge­nen in Rhein­land-Pfalz nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, nach der die nicht-mone­tä­re Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te ersatz­los weg­fiel.

Gefan­ge­nen­ent­loh­nung in Rhein­land-Pfalz

Die­se nicht-mone­tä­re Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te wur­de bis zur Neu­re­ge­lung zusätz­lich zur mone­tä­ren Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te unter ande­rem in Form von Frei­stel­lungs­ta­gen gewährt, die auch als Urlaub aus der Haft genutzt oder auf den Ent­las­sungs­zeit­punkt ange­rech­net wer­den konn­ten.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat aller­dings her­vor­ge­ho­ben, dass Arbeit im Straf­voll­zug einen gewich­ti­gen Reso­zia­li­sie­rungs­fak­tor dar­stel­le, des­sen Wirk­sam­keit davon abhän­ge, dass die geleis­te­te Arbeit eine ange­mes­se­ne Aner­ken­nung fin­det. Ob der Straf­ge­fan­ge­ne frei­wil­lig arbei­tet oder eine zuge­wie­se­ne Pflicht­ar­beit aus­übt, spielt dabei kei­ne Rol­le. In bei­den Fäl­len muss die Aner­ken­nung geeig­net sein, dem Straf­ge­fan­ge­nen den Wert regel­mä­ßi­ger Arbeit vor Augen zu füh­ren.

Lan­des­jus­tiz­voll­zugs­ge­setz Rhein­land-Pfalz[↑]

Mit dem Inkraft­tre­ten des Lan­des­jus­tiz­voll­zugs­ge­set­zes1 am 1.06.2013 wur­de das StVoll­zG gemäß Art. 125a Abs. 1 Satz 2 GG weit­ge­hend ersetzt. Durch die Neu­re­ge­lung fiel die nicht mone­tä­re Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te ersatz­los weg. § 65 Abs. 1 Nr. 3 LJVoll­zG sieht im Ver­gleich zu § 43 Abs. 1 StVoll­zG ledig­lich die Bei­be­hal­tung der mone­tä­ren Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te in unver­än­der­ter Höhe vor. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber begrün­det dies mit einer neu­en Voll­zugs­kon­zep­ti­on. Grund­ge­dan­ke der dem Gesetz zugrun­de lie­gen­den Kon­zep­ti­on sei es, dass die Straf- und Jugend­straf­ge­fan­ge­nen wäh­rend der Haft­zeit die für ihre Straf­ta­ten (mit-)ursächlichen Defi­zi­te behe­ben und die einer künf­ti­gen Straf­fäl­lig­keit ent­ge­gen­wir­ken­den Fähig­kei­ten stär­ken sol­len. Arbeit stel­le des­halb – anders als im Straf­voll­zugs­ge­setz des Bun­des – nicht den zen­tra­len, son­dern nur einen von vie­len Reso­zia­li­sie­rungs­fak­to­ren dar. Lägen im Ein­zel­fall Defi­zi­te im Arbeits­be­reich vor, kön­ne der geziel­te Ein­satz indi­vi­du­el­ler Arbeits­maß­nah­men in Form einer Arbeits­the­ra­pie oder des Arbeits­trai­nings, der der Reso­zia­li­sie­rung der Gefan­ge­nen stär­ker Rech­nung tra­ge, erfol­gen2.

Um den Vor­rang von the­ra­peu­ti­schen, psych­ia­tri­schen sowie Trai­nings- und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 bis 12 LJVoll­zG abzu­si­chern, wird in § 15 Abs. 2 LJVoll­zG bestimmt, dass sol­che Maß­nah­men, wenn sie nach dem Ergeb­nis eines Dia­gno­se­ver­fah­rens als zur Errei­chung des Voll­zugs­ziels zwin­gend erfor­der­lich erach­tet wer­den, allen ande­ren Maß­nah­men vor­ge­hen. Ande­re Maß­nah­men – also auch Arbeit – dür­fen nicht gestat­tet wer­den, soweit sie die Teil­nah­me an zwin­gend erfor­der­li­chen Maß­nah­men beein­träch­ti­gen wür­den. Zudem wird für zwin­gend erfor­der­li­che Maß­nah­men nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 bis 10 und 12 LJVoll­zG – von denen der Gesetz­ge­ber annimmt, dass sie „oft­mals nur eine oder weni­ge Wochen­stun­den” umfass­ten3 – gemäß § 65 Abs. 1 Nr. 1 LJVoll­zG als Instru­ment der Moti­va­ti­ons­stei­ge­rung eine finan­zi­el­le Aner­ken­nung gezahlt. Die Höhe der Ver­gü­tung beträgt in die­sem Fall gemäß § 1 Abs. 1 und 2 der Lan­des­ver­ord­nung über die Ver­gü­tungs­stu­fen in Jus­tiz­voll­zug und Siche­rungs­ver­wah­rung (LVer­gVoll­zVO) vom 24.05.20134 60 vom Hun­dert der Eck­ver­gü­tung nach § 65 Abs. 2 Satz 1 LJVoll­zG.

Arbeit wird – je nach den mit ihr ver­bun­de­nen Anfor­de­run­gen – mit min­des­tens 85% (Ver­gü­tungs­stu­fe 2) und mit bis zu 125% (Ver­gü­tungs­stu­fe 5) der Eck­ver­gü­tung ent­lohnt. Hier­aus errech­net sich – legt man 100% (Ver­gü­tungs­stu­fe 3) der Eck­ver­gü­tung zugrun­de – ein Tages­satz von etwa 12 € (VerfGH Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 08.06.2015 – VGH B 41/​14, VGH B 50/​14 5). Hin­zu­kom­men kön­nen je nach Tätig­keit noch Leis­tungs­zu­la­gen von bis zu 30 vom Hun­dert und Erschwer­nis­zu­la­gen bis zu 5 vom Hun­dert der Grund­ver­gü­tung (vgl. § 2 LVer­gVoll­zVO). Den Weg­fall der nicht mone­tä­ren Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te begrün­det der Lan­des­ge­setz­ge­ber damit, dass die Neu­kon­zep­ti­on, anders als das Straf­voll­zugs­ge­setz des Bun­des, kei­ne Pflicht­ar­beit mehr vor­se­he, son­dern es dem Gefan­ge­nen frei­ste­he, eine Tätig­keit auf­zu­neh­men5. Die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erho­be­ne For­de­rung aus dem Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot, Arbeit ange­mes­sen anzu­er­ken­nen6, stel­le sich nur für sol­che Gefan­ge­ne, denen ver­pflich­tend eine Arbeit oder eine sons­ti­ge Beschäf­ti­gung zuge­wie­sen oder zuge­teilt wor­den sei oder die zu einer Hilfs­tä­tig­keit ver­pflich­tet wor­den sei­en7.

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

Der Gefan­ge­ne ver­büßt eine Straf­haft in einer Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt in Rhein­land-Pfalz und wur­de ursprüng­lich nach den Vor­schrif­ten des Straf­voll­zugs­ge­set­zes des Bun­des zu einer Tätig­keit in der Druckerei/​Buchbinderei ver­pflich­tet. Für sei­ne Tätig­keit erhielt er bis zum 31.05.2013 eine mone­tä­re sowie eine nicht mone­tä­re Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te.

Der Gefan­ge­ne, der nach wie vor – seit dem Inkraft­tre­ten des LJVoll­zG nun­mehr frei­wil­lig – in der Druckerei/​Buchbinderei arbei­tet, bean­trag­te bei der Anstalts­lei­tung die Wei­ter­ge­wäh­rung der nicht mone­tä­ren Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te. Gegen den abschlä­gi­gen Bescheid der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt beschritt er erfolg­los den Rechts­weg. Das Land­ge­richt Koblenz stell­te fest, dass es im neu­en Lan­des­ge­setz kei­ne Rechts­grund­la­ge für die Wei­ter­ge­wäh­rung der nicht mone­tä­ren Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te gebe. Eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gemäß Art. 100 Abs. 1 GG lehn­te es ab, weil kei­ne Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des § 65 LJVoll­zG bestün­den8. und führ­te zur Begrün­dung ins­be­son­de­re aus, dass die in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf­ge­stell­ten Grund­sät­ze zur Gefan­ge­nen­ver­gü­tung nicht auf die Neu­kon­zep­ti­on über­trag­bar sei­en, weil sie sich aus­schließ­lich und aus­drück­lich auf die Pflicht­ar­beit von Gefan­ge­nen im Straf­voll­zug bezö­gen. Dem­ge­gen­über sehe die lan­des­ge­setz­li­che Kon­zep­ti­on Pflicht­ar­beit nicht mehr vor. Arbeit sei kein zen­tra­ler Reso­zia­li­sie­rungs­fak­tor mehr, weil ihr kein von den kon­kre­ten Bedürf­nis­sen des Straf­ge­fan­ge­nen unab­hän­gi­ger, eigen­stän­di­ger Behand­lungs­wert zukom­me9).

Mit der gegen die­se Beschlüs­se gerich­te­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügt der Gefan­ge­ne ins­be­son­de­re eine Ver­let­zung des Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bo­tes (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG).

Unzu­läs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat Ver­fas­sungs­be­schwer­de gemäß § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, weil sie kei­ne Aus­sicht auf Erfolg hat. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, weil nicht erkenn­bar ist, dass der Gefan­ge­ne den Grund­satz der mate­ri­el­len Sub­si­dia­ri­tät gewahrt hat10.

Daher ist es der Kam­mer ver­wehrt zu prü­fen, ob die Neu­re­ge­lung zur Ent­loh­nung von Gefan­ge­nen­ar­beit nach § 65 Abs. 1 Nr. 3 LJVoll­zG mit dem Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot ver­ein­bar ist. Aller­dings sieht sich die Kam­mer in Bezug auf die Inter­pre­ta­ti­on der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Gefan­ge­nen­ent­loh­nung durch den Lan­des­ge­setz­ge­ber und die rhein­land-pfäl­zi­schen Gerich­te zu fol­gen­dem Hin­weis ver­an­lasst:

Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot[↑]

Die Ver­fas­sung gebie­tet, den Straf­voll­zug auf das Ziel der Reso­zia­li­sie­rung der Gefan­ge­nen hin aus­zu­rich­ten. Der ein­zel­ne Gefan­ge­ne hat aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG einen grund­recht­li­chen Anspruch dar­auf, dass die­ser Ziel­set­zung bei ihn belas­ten­den Maß­nah­men genügt wird11.

Das ver­fas­sungs­recht­li­che Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot ist für alle staat­li­che Gewalt ver­bind­lich. Es rich­tet sich zunächst an die Gesetz­ge­bung, der es auf­ge­ge­ben ist, den Straf­voll­zug nor­ma­tiv zu gestal­ten12. Es ver­pflich­tet den Gesetz­ge­ber, ein wirk­sa­mes Reso­zia­li­sie­rungs­kon­zept zu ent­wi­ckeln und den Straf­voll­zug dar­auf auf­zu­bau­en. Das ver­fas­sungs­recht­li­che Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot ent­fal­tet sei­ne Bedeu­tung frei­lich auch für Ver­wal­tung und Recht­spre­chung, wenn es gilt, unbe­stimm­te Rechts­be­grif­fe oder Gene­ral­klau­seln aus­zu­le­gen, oder wenn der Gesetz­ge­ber den Voll­zugs­be­hör­den ein Rechts­fol­ge­er­mes­sen ein­ge­räumt hat13.

Das ver­fas­sungs­recht­li­che Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot legt den Gesetz­ge­ber nicht auf ein bestimm­tes Rege­lungs­kon­zept fest; viel­mehr ist ihm für die Ent­wick­lung eines wirk­sa­men Kon­zepts ein wei­ter Gestal­tungs­raum eröff­net. Er kann unter Ver­wer­tung aller ihm zu Gebo­te ste­hen­den Erkennt­nis­se, nament­lich auf den Gebie­ten der Anthro­po­lo­gie, Kri­mi­no­lo­gie, Sozi­al­the­ra­pie und Öko­no­mie, zu einer Rege­lung gelan­gen, die – auch unter Berück­sich­ti­gung von Kos­ten­fol­gen – mit dem Rang und der Dring­lich­keit ande­rer Staats­auf­ga­ben in Ein­klang steht14.

Arbeit und Reso­zia­li­sie­rung[↑]

Dem­nach steht es dem Gesetz­ge­ber zwar grund­sätz­lich frei, dem Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot mit ande­ren Maß­nah­men als durch Arbeit Rech­nung zu tra­gen. Indes erscheint es zwei­fel­haft, dass die Arbeit im Straf­voll­zug des Lan­des Rhein­land-Pfalz kein gewich­ti­ges Reso­zia­li­sie­rungs­mit­tel mehr dar­stellt. Auch wenn für eine abschlie­ßen­de Bewer­tung eine umfas­sen­de Prü­fung des Voll­zugs­kon­zepts und sei­ner prak­ti­schen Umset­zung erfor­der­lich wäre, bestehen Zwei­fel, dass die Reso­zia­li­sie­rung auch ohne Arbeit hin­rei­chend gewähr­leis­tet ist, zumal the­ra­peu­ti­sche, psych­ia­tri­sche sowie Trai­nings- und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men den All­tag der Gefan­ge­nen in der Regel nicht aus­fül­len und sie zudem ohne­hin nur für einen Teil der Gefan­ge­nen in Betracht kom­men dürf­ten. Daher liegt die Annah­me nahe, dass die Arbeit auch nach Inkraft­tre­ten des LJVoll­zG ein gewich­ti­ger Reso­zia­li­sie­rungs­fak­tor geblie­ben ist.

Ange­mes­se­ne Gefan­ge­nen­ent­loh­nung[↑]

Arbeit im Straf­voll­zug ist aber nur dann ein wirk­sa­mes Reso­zia­li­sie­rungs­mit­tel, wenn die geleis­te­te Arbeit ange­mes­se­ne Aner­ken­nung fin­det13. Die­ser Grund­satz gilt nicht nur für die­je­ni­ge Arbeit, die dem Gefan­ge­nen als Pflicht­ar­beit zuge­wie­sen ist, son­dern auch für eine frei­wil­lig über­nom­me­ne Tätig­keit. Die soeben zitier­te Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus dem Jahr 1998 erging zwar im Hin­blick auf die ange­mes­se­ne Aner­ken­nung der Pflicht­ar­beit, dies jedoch des­halb, weil Gegen­stand der Ent­schei­dung eine gesetz­ge­be­ri­sche Kon­zep­ti­on war, die aus­schließ­lich die Pflicht­ar­beit vor­sah15. Sowohl die Pflicht- als auch die frei­wil­li­ge Arbeit im Voll­zug die­nen den­sel­ben Zie­len, so wer­den etwa Selbst­be­stä­ti­gung und Arbeits­ab­läu­fe ver­mit­telt16. Fer­ner dient die Arbeit der Struk­tu­rie­rung des Haft­all­tags. Durch die Ver­gü­tung ihrer Arbeit wird den Gefan­ge­nen zudem sowohl im Fal­le der frei­wil­li­gen als auch der Pflicht­ar­beit ermög­licht, Geld für die Erfül­lung von Unter­halts­ver­pflich­tun­gen, den Schul­den­ab­bau, den Aus­gleich von Tat­fol­gen oder den Ein­kauf zu ver­die­nen17. Wegen der gleich­ge­rich­te­ten Ziel­set­zung muss die Aner­ken­nung daher in bei­den Fäl­len geeig­net sein, dem Gefan­ge­nen den Wert regel­mä­ßi­ger Arbeit für ein künf­ti­ges eigen­ver­ant­wor­te­tes und straf­frei­es Leben in Gestalt eines für ihn greif­ba­ren Vor­teils vor Augen zu füh­ren. Nur wenn der Gefan­ge­ne eine als sinn­voll erleb­ba­re Arbeits­leis­tung erbrin­gen kann, darf der Gesetz­ge­ber davon aus­ge­hen, dass der Gefan­ge­ne sich bei der Ent­wick­lung beruf­li­cher Fähig­kei­ten sowie bei der Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit auf ein posi­ti­ves Ver­hält­nis zur Arbeit zu stüt­zen ver­mag18.

Nach­dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 01.07.199819 die Höhe der zum dama­li­gen Zeit­punkt aus­schließ­lich mone­tä­ren Ver­gü­tung mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebot der Reso­zia­li­sie­rung für nicht ver­ein­bar erklärt hat­te, trat durch das 5. Gesetz zur Ände­rung des Straf­voll­zugs­ge­set­zes vom 27.12 2000 zum 1.01.2001 eine Neu­re­ge­lung der §§ 43 und 200 StVoll­zG in Kraft20. Die Pflicht­ar­beit des Gefan­ge­nen wur­de seit die­ser Ände­rung des Bun­des­ge­set­zes durch ein erhöh­tes Arbeits­ent­gelt und durch Frei­stel­lung von der Arbeit ver­gü­tet. Die­se Rege­lung, die eine mone­tä­re und eine nicht mone­tä­re Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te kom­bi­nier­te, war auf den Gefan­ge­nen bis zum Inkraft­tre­ten des Lan­des­ge­set­zes anwend­bar.

Die Fra­ge, ob die­se Kom­bi­na­ti­on aus mone­tä­rer und nicht mone­tä­rer Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te gemes­sen an dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot eine ange­mes­se­ne Ent­loh­nung dar­stellt, war Gegen­stand einer Kam­mer­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Jahr 2002. Die Kam­mer gelang­te zu dem Ergeb­nis, dass die neu gefass­ten Rege­lun­gen zur Ver­gü­tung der Gefan­ge­nen noch ver­fas­sungs­ge­mäß sei­en. Im Hin­blick auf die Höhe der mone­tä­ren Ver­gü­tung habe der Gesetz­ge­ber die äußers­te Gren­ze einer ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen Bezugs­grö­ße noch gewahrt. Er blei­be aber auf­ge­for­dert, die Bezugs­grö­ße nicht fest­zu­schrei­ben, son­dern einer ste­ten Prü­fung zu unter­zie­hen. Gera­de die Gewäh­rung von Frei­stel­lung in Abhän­gig­keit zur geleis­te­ten Arbeit wer­de dem Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot gerecht. Aller­dings blei­be der Gesetz­ge­ber auch hier auf­ge­for­dert, den Umfang der nicht mone­tä­ren Leis­tung einer stän­di­gen Über­prü­fung zu unter­zie­hen21.

Es besteht zwar zu Guns­ten des Gesetz­ge­bers ein wei­ter Spiel­raum bei der Aus­ge­stal­tung der Ver­gü­tung der Gefan­ge­nen­ar­beit, sodass eine gesetz­ge­be­ri­sche Neu­kon­zep­ti­on mög­lich ist22. Jedoch muss die Ver­gü­tung für im Voll­zug geleis­te­te Arbeit stets geeig­net sein, dem Reso­zia­li­sie­rungs­ge­bot gerecht zu wer­den. Auf wel­che Wei­se der Gesetz­ge­ber dies erreicht, bleibt ihm über­las­sen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2015 – 2 BvR 1017/​14

  1. LJVoll­zG vom 08.05.2013, GVBl S. 79
  2. LTDrucks 16/​1910, S. 127
  3. LTDrucks 16/​1910, S. 140
  4. GVBl S. 155
  5. LTDrucks 16/​1910, S. 139 f.
  6. vgl. BVerfGE 98, 169
  7. LTDrucks 16/​1910, S. 139
  8. LG Koblenz, Beschluss vom 02.01.2014 – 7 StVK 277/​13
  9. OLG Koblenz, Beschluss vom 23.04.2014 – 2 Ws 61/​14 (Vollz
  10. vgl. BVerfGE 68, 384, 388 f.; 77, 381, 401; 81, 97, 102 f.; 107, 395, 414; stRspr
  11. vgl. BVerfGE 35, 202, 235 f.; BVerfGE 98, 169, 200
  12. vgl. BVerfGE 33, 1, 10 f.
  13. BVerfGE 98, 169, 201
  14. vgl. BVerfGE 82, 60, 80 ff.; 90, 107, 116; 96, 288, 305 f.; 98, 169, 201
  15. BVerfGE 98, 169, 199
  16. vgl. mit Bezug zur Pflicht­ar­beit Landau/​Kunze/​Poseck, NJW 2001, S. 2611, 2613
  17. für die frei­wil­li­ge Arbeit: LTDrucks 16/​1910, S. 140
  18. vgl. mit Bezug zur Pflicht­ar­beit BVerfGE 98, 169, 201
  19. BVerfGE 98, 169
  20. BGBl I S.2043
  21. BVerfG, Beschluss vom 24.03.2002 – 2 BvR 2175/​01 30, 42, 49
  22. BVerfGE 98, 169, 201; BVerfG, Beschluss vom 24.03.2002 – 2 BvR 2175/​01, Rn. 37 f.