Orga­ni­sa­ti­ons­haft – und die Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer

Die sach­li­che Zustän­dig­keit einer Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer wird an dem Tag begrün­det, an dem auf­grund der Rechts­kraft des Urteils die in der in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich bele­ge­nen Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt voll­zo­ge­ne Unter­su­chungs­haft in Straf­haft über­geht.

Orga­ni­sa­ti­ons­haft – und die Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer

Der sach­li­chen Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer steht nicht ent­ge­gen, dass gegen den Ver­ur­teil­ten bis zu sei­ner Ver­le­gung in den Maß- regel­voll­zug am 27.11.2017 Orga­ni­sa­ti­ons­haft voll­streckt wur­de 1. Denn die Orga­ni­sa­ti­ons­haft ist zunächst Straf­haft 2. Bei der Orga­ni­sa­ti­ons­haft, deren Dau­er regel­mä­ßig zunächst nicht fest­steht, han­delt es sich auch nicht ledig­lich um eine kurz­fris­ti­ge vor­über­ge­hen­de Auf­nah­me, die als sol­che nicht zustän­dig­keits­be­grün­dend wir­ken kann 3. Die aner­kann­ten Bei­spie­le einer kurz­fris­ti­gen vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me wie etwa die Ver­schubung, die Wahr­neh­mung eines Gerichts­ter­mins oder eine ärzt­li­che Unter­su­chung sind mit der typi­scher­wei­se meh­re­re Wochen dau­ern­den und hin­sicht­lich ihres Endes zunächst nicht fixier­ten Orga­ni­sa­ti­ons­haft nicht ver­gleich­bar 4.

Die ört­li­che Zustän­dig­keit einer Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer für den Wider­ruf einer Bewäh­rung bestimmt sich gemäß § 462a Abs. 1 Satz 1 StPO danach, in wel­chem Bezirk die Anstalt liegt, in der sich der Ver­ur­teil­te zu dem Zeit­punkt befin­det oder zuletzt befand, zu dem eine erst­ma­li­ge Befas­sung mit der kon­kre­ten Ange­le­gen­heit gege­ben war 5. Eine mit der ers­ten Befas­sung begrün­de­te ört­li­che Zustän­dig­keit wird durch spä­ter ein­ge­tre­te­ne Umstän­de nicht berührt 6.

Befasst im Sin­ne von § 462a Abs. 1 Satz 1 StPO ist ein Gericht mit der Sache schon dann, wenn Tat­sa­chen akten­kun­dig wer­den, die den Wider­ruf der Straf­aus­set­zung recht­fer­ti­gen kön­nen 7. Dies ist (hier) spä­tes­tens mit Wei­ter­lei­tung des Wider­rufs­an­trags an die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Aachen der Fall. Die spä­te­re Ver­le­gung des Ver­ur­teil­ten in die LVR-Kli­nik ließ die Zustän­dig­keit der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Aachen unbe­rührt. Ein Zustän­dig­keits­wech­sel von einer Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer zu einer ande­ren tritt nicht ein, solan­ge ers­te­re noch nicht abschlie­ßend über eine Fra­ge befun­den hat, mit der sie befasst war, bevor der Ver­ur­teil­te in eine zum Bezirk einer ande­ren Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer gehö­ren­den Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt auf­ge­nom­men wur­de 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Juli 2018 – 2 ARs 203/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 13.12 2017 – 2 ARs 541/​17, NStZ-RR 2018, 190 f.; Beschluss vom 28.07.2015 – 2 ARs 141/​15 4; OLG Hamm, Beschluss vom 19.02.2009 – 3 Ws 44/​09 –, NStZ 2010, 295 f.; KK-StPO/Appl, 7. Aufl., § 462a Rn. 9; aA Radtke/​Hohmann/​Baier § 462a StPO Rn. 6; Sla­wik in Beck­OK, Straf­voll­zugs­recht Bund, 14. Ed., § 462a StPO Rn. 3[]
  2. Pohlmann/​Jabel/​Wolf, Straf­voll­stre­ckungs­ord­nung, 9. Aufl., § 44a Rn. 3b[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 08.12 2016 – 2 ARs 5/​16, Stra­Fo 2017, 86[]
  4. OLG Hamm, Beschluss vom 19.02.2009 – 3 Ws 44/​09, NStZ 2010, 295 f.[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 13.12 2017 – 2 ARs 541/​17, NStZ-RR 2018, 190 f.; Beschluss vom 21.02.2017 – 2 ARs 62/​17, NStZ-RR 2017, 263 f.; KK-StPO/Appl, 7. Aufl., § 462a Rn. 16[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 21.02.2017 – 2 ARs 62/​17, NStZ-RR 2017, 263 f.; KK-StPO/Appl, 7. Aufl., § 462a Rn. 21[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 11.07.2012 – 2 ARs 164/​12, NStZ-RR 2012, 358[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 13.12 2017 – 2 ARs 541/​17, NStZ-RR 2018, 190 f.; Beschluss vom 08.12 2016 – 2 ARs 5/​16, Stra­Fo 2017, 86[]