Straf­voll­zug – Amts­er­mitt­lungs­pflicht und Willkürverbot

19 Abs. 4 GG gewähr­leis­tet einen effek­ti­ven und mög­lichst lücken­lo­sen rich­ter­li­chen Rechts­schutz gegen Akte der öffent­li­chen Gewalt gewähr­leis­tet1.

Straf­voll­zug – Amts­er­mitt­lungs­pflicht und Willkürverbot

Die fach­ge­richt­li­che Über­prü­fung kann die rechts­staat­lich gebo­te­ne Beach­tung des gel­ten­den Rechts und den effek­ti­ven Schutz der berühr­ten mate­ri­el­len Rech­te nur gewähr­leis­ten, wenn sie auf zurei­chen­der Auf­klä­rung des jewei­li­gen Sach­ver­halts beruht. Das Gericht hat im Rah­men der Amts­er­mitt­lungs­pflicht von sich aus die zur Auf­klä­rung des Sach­ver­halts not­wen­di­gen Maß­nah­men zu tref­fen2. Um dem Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes zu genü­gen, darf ein Gericht auf die Aus­schöp­fung aller Erkennt­nis­mög­lich­kei­ten daher nur ver­zich­ten, wenn Beweis­mit­tel unzu­läs­sig, schlech­ter­dings untaug­lich, uner­reich­bar oder für die Ent­schei­dung uner­heb­lich sind. Dage­gen darf es von einer Beweis­auf­nah­me nicht schon dann abse­hen, wenn die Auf­klä­rung beson­ders arbeits- oder zeit­auf­wen­dig erscheint3

Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen Urtei­le füh­ren nicht zur Nach­prü­fung im vol­len Umfan­ge, son­dern nur zur Nach­prü­fung auf ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­stö­ße. Ein sol­cher Ver­stoß liegt bei gericht­li­chen Urtei­len unter dem Gesichts­punkt des Will­kür­ver­bots des Art. 3 Abs. 1 GG nicht schon dann vor, wenn die ange­grif­fe­ne Rechts­an­wen­dung oder das dazu ein­ge­schla­ge­ne Ver­fah­ren Feh­ler ent­hal­ten. Viel­mehr ist ein Rich­ter­spruch nur will­kür­lich, wenn er unter kei­nem denk­ba­ren Aspekt recht­lich ver­tret­bar ist und sich daher der Schluss auf­drängt, dass er auf sach­frem­den Erwä­gun­gen beruht. Maß­ge­bend für eine dahin­ge­hen­de Fest­stel­lung sind objek­ti­ve Kri­te­ri­en. Schuld­haf­tes Han­deln der Rich­ter ist nicht erfor­der­lich4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. August 2021 – 2 BvR 27/​21

  1. vgl. BVerfGE 67, 43 <58> stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 101, 275 <294 f.> BVerfGK 4, 119 <129> 9, 390 <395> 9, 460 <463> 13, 472 <476> 13, 487 <493> 17, 429 <430 f.> 19, 157 <164> 20, 107 <112>[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.02.2020 – 2 BvR 1719/​19, Rn. 22[]
  4. vgl. BVerfGE 4, 1 <7> 80, 48 <51> 89, 1 <13> stRspr[]

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