Voll­zugs­lo­cke­run­gen zuguns­ten aus­län­di­scher, voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­ti­ger Straf­ge­fan­ge­ner

Es stellt eine Ver­ken­nung des Reso­zia­li­sie­rungs­grund­rechts des Straf­ge­fan­ge­nen dar, wenn für die Ver­sa­gung von Voll­zugs­lo­cke­run­gen im Ergeb­nis aus­schließ­lich dar­auf abge­stellt wird, dass gegen ihn eine bestands­kräf­ti­ge Aus­wei­sungs­ver­fü­gung besteht und § 38 Abs. 5 Satz 1 Nr. 3 des Saar­län­di­schen Straf­voll­zugs­ge­set­zes (SLSt­Voll­zG) der Gewäh­rung von Locke­run­gen dem­nach grund­sätz­lich ent­ge­gen­steht.

Voll­zugs­lo­cke­run­gen zuguns­ten aus­län­di­scher, voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­ti­ger Straf­ge­fan­ge­ner

Von den Fach­ge­rich­ten wäre jeden­falls zu prü­fen gewe­sen, inwie­fern das Reso­zia­li­sie­rungs­grund­recht ein Vor­ge­hen nach § 38 Abs. 5 Satz 2 und 4 SLSt­Voll­zG erfor­dert, der vor­sieht, dass geeig­ne­ten aus­län­di­schen Straf­ge­fan­ge­nen, gegen die eine voll­zieh­ba­re Aus­wei­sungs­ver­fü­gung besteht, Voll­zugs­lo­cke­run­gen geneh­migt wer­den kön­nen, um so ihren ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Reso­zia­li­sie­rungs­in­ter­es­sen im Straf­voll­zug Rech­nung zu tra­gen 1.

Soweit die Voll­zugs­plan­kon­fe­renz im hier ent­schie­de­nen Fall eines seit 2001 in Haft befind­li­chen und eine lebens­lan­ge Frei­heits­stra­fe ver­bü­ßen­den Straf­ge­fan­ge­nen zudem davon aus­ge­gan­gen ist, dass eine Miss­brauchs­ge­fahr der Gewäh­rung von Voll­zugs­lo­cke­run­gen ent­ge­gen­ste­he, beschränk­te sich dies auf eine pau­scha­le Behaup­tung, die ledig­lich mit dem aus­län­der­recht­li­chen Sta­tus des Straf­ge­fan­ge­nen und die von ihm zu ver­bü­ßen­de Rest­stra­fe begrün­det wor­den ist.

Das Reso­zia­li­sie­rungs­grund­recht erfor­dert jedoch, dass die Annah­me einer Miss­brauchs­ge­fahr auf­grund einer Gesamt­wür­di­gung der für und gegen den Straf­ge­fan­ge­nen spre­chen­den Umstän­de erfolgt, im Rah­men derer nähe­re Anhalts­punk­te dar­ge­legt wer­den müs­sen, die geeig­net sind, die Pro­gno­se einer Flucht- oder Miss­brauchs­ge­fahr in der Per­son des Gefan­ge­nen zu kon­kre­ti­sie­ren 2.

Das mit jeder Voll­zugs­lo­cke­rung ver­bun­de­ne Risi­ko eines Ent­wei­chens aus der Haft oder eines Miss­brauchs der Maß­nah­me zu Straf­ta­ten muss aus die­sen Grün­den her­aus unver­tret­bar erschei­nen 3.

Im hier ent­schie­de­nen Fall ließ die Ent­schei­dung der Voll­zugs­plan­kon­fe­renz nicht erken­nen, dass die­se Anfor­de­run­gen erfüllt waren. Sie ließ viel­mehr besor­gen, dass die aus dem Voll­zugs­plan ersicht­li­chen, für den Straf­ge­fan­ge­nen spre­chen­den Gesichts­punk­te bei der Fra­ge der Gewäh­rung von Voll­zugs­lo­cke­run­gen nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt wur­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 31. Okto­ber 2019 – 2 BvR 1339/​19

  1. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 11.06.2002 – 2 BvR 461/​02, Rn. 15; vom 15.03.2004 – 2 BvR 1530/​03, Rn. 4; und vom 29.01.2004 – 2 BvR 2167/​03, Rn. 5[]
  2. vgl. BVerfGE 64, 261, 277; 70, 297, 312 ff.[]
  3. vgl. BVerfGE 70, 297, 313[]