Voll­zugs­plan – und die Ver­le­gung in eine ande­re Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt

Der Voll­zugs­plan (bzw. sei­ne regel­mä­ßig vor­zu­neh­men­de Fort­schrei­bung) dient der Kon­kre­ti­sie­rung des Voll­zugs­ziels im Blick auf den ein­zel­nen Gefan­ge­nen und bil­det einen Ori­en­tie­rungs­rah­men zum Behand­lungs­ver­lauf, in dem die rich­tungs­wei­sen­den Grund­ent­schei­dun­gen fest­ge­legt wer­den1.

Voll­zugs­plan – und die Ver­le­gung in eine ande­re Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt

Auf­grund die­ser Funk­ti­on bewirkt er zuguns­ten des Gefan­ge­nen eine Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung2, die nach einer Ver­le­gung auch für die über­neh­men­de Anstalt gilt3.

Der Gefan­ge­ne darf daher bei ihn begüns­ti­gen­de Rege­lun­gen eines Voll­zugs­plans dar­auf ver­trau­en, dass sich auch die über­neh­men­de Voll­zugs­be­hör­de an die­se hält.

Soweit Rege­lun­gen eines Voll­zugs­plans den Gefan­ge­nen belas­ten, ist die Voll­zugs­an­stalt, in der sich der Gefan­ge­ne nach der Ver­le­gung befin­det, nicht gehin­dert, davon zuguns­ten des Gefan­ge­nen abzu­wei­chen4. Dies gilt erst recht dann, wenn sich die für die Rege­lung maß­geb­li­chen Umstän­de seit der letz­ten Voll­zugs­plan­fort­schrei­bung geän­dert haben.

Unge­ach­tet der Mög­lich­keit, bei der neu­en Voll­zugs­an­stalt die Gewäh­rung einer kon­kre­ten Locke­rungs­maß­nah­me zu bean­tra­gen, kann der Gefan­ge­ne mit einem Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung die Ver­pflich­tung der für die Voll­zugs­plan­fort­schrei­bung ver­ant­wort­li­chen frü­he­ren Anstalt erstre­ben, die Rege­lung zu kor­ri­gie­ren und dadurch die neue Voll­zugs­an­stalt zu sei­nen Guns­ten zu bin­den. Unab­hän­gig von der auf Auf­he­bung gerich­te­ten Antrags­for­mu­lie­rung ist das Begeh­ren des anwalt­lich nicht ver­tre­te­nen Antrag­stel­lers bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung sei­ner Äuße­run­gen daher dar­auf gerich­tet, die Voll­zugs­be­hör­de zu ver­pflich­ten, in der ange­grif­fe­nen Voll­zugs­plan­fort­schrei­bung die Eig­nung für Voll­zugs­lo­cke­run­gen fest­zu­stel­len (vgl. § 15 Abs. 1 Nr. 17 Lan­des­jus­tiz­voll­zugs­ge­setz Rhein­land-Pfalz5). Inso­weit han­delt es auch um eine Maß­nah­me mit Rege­lungs­cha­rak­ter i.S.d. § 109 Abs. 1 StVoll­zG6, die mit dem Ver­pflich­tungs­an­trag (§ 109 Abs. 1 Satz 2 StVoll­zG) gegen JVA, die den Voll­zugs­plan ursprüng­lich erlas­sen hat- begehrt wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2016 – 2 ARs 398/​16

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.02.1993 – 2 BvR 594/​92, NJW 1993, 3188
  2. KG, Beschluss vom 21.10.1996 – 5 Ws 396/​96 Vollz, NStZ 1997, 207
  3. OLG Koblenz, Beschluss vom 30.09.1985 – 2 Vollz (Ws) 74/​85, NStZ 1986, 92; Nest­ler in Laubenthal/​Nestler/​Neubacher/​Verrel, Straf­voll­zugs­ge­set­ze, 12. Aufl., Abschn. C Rn. 35
  4. OLG Jena, Beschluss vom 28.11.2005 – 1 AR (S) 167/​05, ZfStrVo 2006, 373
  5. vom 08.05.2013, GVBl.2013, 79
  6. BVerfG, Beschluss vom 03.07.2006 – 2 BvR 1383/​03BVerfGK 8, 319; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 25.06.2004 – 3 Ws 3/​04, NStZ 2006, 64