Warm duschen in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt

Einem Straf­ge­fan­ge­nen muss min­des­tens vier­mal pro Woche die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, sich mit war­mem Was­ser waschen zu kön­nen. Dage­gen hat er kei­nen Anspruch auf eine täg­li­che Dusche, wenn er weder Sport treibt noch einer kör­per­li­chen Arbeit nach­geht.

Warm duschen in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Straf­ge­fan­ge­nen ent­schie­den, der ein­mal täg­lich zum Duschen gehen woll­te. Gegen­über der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Bochum hat der 37jährige bean­tragt, ihm min­des­tens ein­mal täg­lich die Mög­lich­keit zum Duschen oder zu einer ver­gleich­ba­ren Kör­per­hy­gie­ne zu geben. Der Antrag hat­te kei­nen Erfolg. Die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt hat den Betrof­fe­nen dar­auf ver­wie­sen, dass er wöchent­lich min­des­tens zwei­mal duschen kön­ne und ihm Kalt­was­ser auf dem Haft­raum zur Ver­fü­gung ste­he, was zur Kör­per­pfle­ge aus­rei­chend sei, da er kei­nen über­mä­ßi­gen Ver­schmut­zun­gen oder Anstren­gun­gen aus­ge­setzt sei. Der vom Betrof­fe­nen bei der Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer des Land­ge­richts Bochum gestell­te Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung hat­te kei­nen Erfolg, weil der gebo­te­nen Kör­per­hy­gie­ne, so die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer, u.a. durch die Wasch­mög­lich­keit in der Zel­le hin­rei­chend Rech­nung getra­gen wer­de. Dage­gen hat der Betrof­fe­ne Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es an sei­ner Ent­schei­dung vom 10. Novem­ber 2015 fest­hal­te 1, nach der ein Straf­ge­fan­ge­ner, der nicht kör­per­lich arbei­te und kei­nen Sport trei­be, kei­nen Anspruch auf eine täg­li­che Dusche habe. Der im Straf­voll­zugs­ge­setz nor­mier­te Grund­satz, das Leben im Voll­zug soweit wie mög­lich den all­ge­mei­nen Lebens­ver­hält­nis­sen anzu­glei­chen, ver­lan­ge nicht, einem Straf­ge­fan­ge­nen eine täg­li­che Dusche zu ermög­li­chen, wenn die täg­li­che Kör­per­pfle­ge durch Mög­lich­keit, sich nor­mal zu waschen, gewähr­leis­tet sei.

Im vor­lie­gen­den Fall sei es jedoch ermes­sens­feh­ler­haft, den Antrag des Betrof­fe­nen abzu­leh­nen, ihm hilfs­wei­se eine dem Duschen ver­gleich­ba­re – täg­li­che – Kör­per­hy­gie­ne ein­zu­räu­men. In sei­ner frü­he­ren Ent­schei­dung sei das Ober­lan­des­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass ein Gefan­ge­ner die Mög­lich­keit des täg­li­chen Waschens in der eige­nen moder­nen Nass­zel­le habe. Dem genann­ten Anglei­chungs­grund­satz sei näm­lich nur dann genü­ge getan, wenn ein Gefan­ge­ner zumin­dest über­wie­gend die Mög­lich­keit habe, die Kör­per­hy­gie­ne mit war­men Was­ser durch­zu­füh­ren. Die aus­schließ­li­che Mög­lich­keit des Waschens mit kal­tem Was­ser ber­ge die Gefahr, dass ins­be­son­de­re in käl­te­ren Jah­res­zei­ten die Kör­per­rei­ni­gung unter­las­sen und die Hygie­ne ver­nach­läs­sigt wer­de. Die­ser Gefahr wer­de nur dann hin­rei­chend begeg­net, wenn der Gefan­ge­ne zumin­dest an über­wie­gen­den Wochen­ta­gen, mit­hin min­des­tens vier­mal wöchent­lich, sich mit war­men Was­ser waschen kön­ne. Inso­weit kön­ne dahin­ste­hen, ob die­sem Erfor­der­nis durch eine Dusche oder einen ander­wei­ti­gen Zugang zu war­men Was­ser genügt wer­de.

Ob dem Betrof­fe­nen die­se Mög­lich­keit in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Bochum eröff­net sei, erge­be sich nicht aus den erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen. Des­we­gen sei der ange­foch­te­ne Beschluss inso­weit auf­zu­he­ben und die Sache zur erneu­ten Behand­lung und Ent­schei­dung an die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer zurück­zu­ver­wei­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 5. Janu­ar 2016 – 1 Vollz (Ws) 529/​15

  1. OLG Hamm, Beschluss vom 10.11.2015 – 1 Vollz (Ws) 458/​15[]