Zwangs­be­hand­lung mit Neu­ro­lep­ti­ka im Maß­re­gel­voll­zug

Die Anord­nung einer medi­zi­ni­sche Zwangs­be­hand­lung nach dem ThürM­RVG kann vor dem Hin­ter­grund von Art. 2 Abs. 2 GG nicht für die Dau­er von zwei Jah­ren erfol­gen.

Zwangs­be­hand­lung mit Neu­ro­lep­ti­ka im Maß­re­gel­voll­zug

Bei der medi­zi­ni­schen Zwangs­be­hand­lung eines Unter­ge­brach­ten mit Neu­ro­lep­ti­ka han­delt es sich um einen beson­ders schwer­wie­gen­den Ein­griff in das Grund­recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG 1.

Gemäß § 29 Abs. 5 Satz 6 ThürM­RVG in Ver­bin­dung mit § 312 Satz 2, § 329 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Satz 1 FamFG darf die Zustim­mung zu der Ver­län­ge­rung einer Zwangs­be­hand­lung jeweils nur für die Dau­er von sechs Wochen erteilt wer­den 2. Auch unab­hän­gig von die­ser gesetz­li­chen Rege­lung erscheint eine Ver­län­ge­rung um zwei Jah­re unver­hält­nis­mä­ßig.

Dar­über hin­aus der Tenor des die Zwangs­me­di­ka­men­ta­ti­on geneh­mi­gen­den Beschlus­ses zu unbe­stimmt, wenn sich hier­aus nichts zu der Art und Wei­se der Zwangs­be­hand­lung ergibt (vgl. § 29 Abs. 5 Satz 6 ThürM­RVG i.V.m. § 312 Satz 2, § 323 Abs. 1 Nr. 1 FamFG) 3.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Juli 2015 – 2 BvR 1180/​15

  1. vgl. BVerfGE 128, 282, 302[]
  2. vgl. auch Thü­rin­ger OLG, Beschluss vom 11.02.2015 – 1 Ws 40/​15[]
  3. sie­he hier­zu BT-Drs. 17/​11513, S. 8 mit Ver­weis auf BGH, Beschluss vom 01.02.2006 – XII ZB 236/​05[]