Straf­zu­mes­sung – und die Berück­sich­ti­gung ein­ge­stell­ter Taten

Die Berück­sich­ti­gung von nach §§ 154, 154a StPO ein­ge­stell­ten bzw. aus­ge­schie­de­nen Taten ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zuläs­sig, wenn die­se pro­zess­ord­nungs­ge­mäß so bestimmt fest­ge­stellt sind, dass sie ihrem wesent­li­chen Unrechts­ge­halt nach bewer­tet wer­den kön­nen und eine Berück­sich­ti­gung des blo­ßen Ver­dachts wei­te­rer Straf­ta­ten aus­ge­schlos­sen wer­den kann 1.

Straf­zu­mes­sung – und die Berück­sich­ti­gung ein­ge­stell­ter Taten

Das Gericht muss sich die hin­rei­chen­de Über­zeu­gung auch von den nach § 154a Abs. 2 StPO aus­ge­schie­de­nen Ver­kaufs­fäl­len ver­schaf­fen und die­se in den Urteils­grün­den hin­rei­chend dar­ge­le­gen.

Der aus­ge­schie­de­ne Ver­fah­rens­stoff muss aus­weis­lich der Urteils­grün­de Gegen­stand der Haupt­ver­hand­lung gewe­sen, die Ver­tei­di­gungs­mög­lich­kei­ten der Ange­klag­ten mit­hin gewahrt sein.

Ent­spre­chen­des gilt für die Fest­stel­lung der Scha­dens­hö­he. In Fäl­len einer Tat­se­rie ist es, ins­be­son­de­re bei Ver­mö­gens­de­lik­ten, zur Bestim­mung des Schuld­um­fangs zuläs­sig, unter Beach­tung des Zwei­fels­sat­zes eine Schät­zung vor­zu­neh­men 2. Durch die Annah­me des Land­ge­richts, jedem Erwer­ber sei hier ein Min­dest­scha­den von 19, 90 € ent­stan­den, wer­den die Ange­klag­ten unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt beschwert. Auch das Ver­tei­di­gungs­in­ter­es­se der Ange­klag­ten wur­de gewahrt. Die gemäß § 154a Abs. 2 StPO aus­ge­schie­de­nen Fäl­le waren Gegen­stand der Beweis­auf­nah­me; auf die straf­schär­fen­de Berück­sich­ti­gung die­ses Teils des Ver­fah­rens­stoffs wur­den die Ange­klag­ten von der Straf­kam­mer hin­ge­wie­sen.

Die Ver­fah­rens­be­schrän­kung nach § 154a Abs. 2 StPO wirkt sich auch nicht des­halb rechts­feh­ler­haft auf die ver­häng­ten Stra­fen aus, weil das Land­ge­richt in den gemäß § 154a Abs. 2 StPO aus­ge­schie­de­nen Ver­kaufs­fäl­len jeweils von einem Min­dest­scha­den von 19, 90 € aus­ge­gan­gen ist, es inso­weit aber an den gemäß § 248a StGB erfor­der­li­chen Ver­fah­rens­vor­aus­set­zun­gen feh­len wür­de. Zum einen han­delt es sich bei dem vom Land­ge­richt her­an­ge­zo­ge­nen Betrag von 19, 90 € für jeden ein­zel­nen Ver­kaufs­fall um eine Min­dest­an­nah­me; aus den Urteils­fest­stel­lun­gen ergibt sich, dass die Gering­fü­gig­keits­gren­ze in einer erheb­li­chen Zahl der Fäl­le über­schrit­ten wur­de. Zum ande­ren kön­nen Taten, deren Ver­fol­gung ein Ver­fah­rens­hin­der­nis ent­ge­gen­steht, straf­er­schwe­rend berück­sich­tigt wer­den, wenn auch mit gerin­ge­rem Gewicht 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2017 – 4 StR 88/​17

  1. BGH, Beschlüs­se vom 20.08.2014 – 3 StR 315/​14, StV 2015, 552; vom 18.03.2015 – 2 StR 54/​15, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Vor­le­ben 33; vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.11.2013 – 4 StR 448/​13, NJW 2014, 645 f.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 06.12 1994 – 5 StR 305/​94, BGHSt 40, 374, 377; vom 11.08.2010 – 1 StR 199/​10[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 22.02.2001 – 4 StR 421/​00, NJW 2001, 1874, 1876; Beschluss vom 23.08.2016 – 2 StR 124/​16, Jur­i­onRS 2016, 26140[]