Straf­zu­mes­sung in BTM-Fäl­len – und die Fest­stel­lung des Wirk­stoff­ge­halts

Das Unrecht einer Betäu­bungs­mit­tel­straf­tat und die Schuld des Täters wer­den maß­geb­lich durch die Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on und die Wirk­stoff­men­ge des Rausch­gifts bestimmt.

Straf­zu­mes­sung in BTM-Fäl­len – und die Fest­stel­lung des Wirk­stoff­ge­halts

Für eine sach­ge­rech­te schuld­an­ge­mes­se­ne Fest­set­zung der Stra­fen im Betäu­bungs­mit­tel­straf­recht kann auf nähe­re Fest­stel­lun­gen zum Wirk­stoff­ge­halt des­halb regel­mä­ßig nicht ver­zich­tet wer­den 1.

Ste­hen die Betäu­bungs­mit­tel nicht für eine Unter­su­chung der Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on zur Ver­fü­gung, ist die­se – not­falls unter Anwen­dung des Zwei­fels­sat­zes – unter Berück­sich­ti­gung der sicher fest­ge­stell­ten Umstän­de (Her­kunft, Preis, Han­dels­stu­fe, Beur­tei­lung durch die Tat­be­tei­lig­ten, Begut­ach­tun­gen in Par­al­lel­ver­fah­ren etc.) durch eine „Schät­zung” fest­zu­le­gen 2.

Eine der­ar­ti­ge Fest­le­gung ist auch nicht in den Fäl­len ent­behr­lich, in denen der Straf­rich­ter jeweils zu Guns­ten der Ange­klag­ten davon aus­ge­gan­gen ist, dass Mona­te spä­ter auf­ge­fun­de­ne Betäu­bungs­mit­tel mit kon­kret ermit­tel­ten Wirk­stoff­ge­hal­ten nicht aus­schließ­bar aus vor­her fest­ge­stell­ten Taten stam­men. Denn damit hat er von sei­nem bis­he­ri­gen Aus­gangs­punkt aus ersicht­lich nur nach dem Zwei­fels­grund­satz einen Schluss zu Guns­ten der Ange­klag­ten zie­hen, nicht aber zu deren Las­ten die Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on bestim­men wol­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Mai 2016 – 1 StR 43/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 07.12 2011 – 4 StR 517/​11, NStZ 2012, 339; und vom 06.08.2013 – 3 StR 212/​13, StV 2013, 703, je mwN
  2. BGH aaO; Körner/​Patzak/​Volkmer aaO, Vor §§ 29 ff. BtMG Rn. 331 ff. mwN