Straf­zu­mes­sung – und die Fra­ge eines min­der schwe­ren Fal­les

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den er in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Straf­zu­mes­sung – und die Fra­ge eines min­der schwe­ren Fal­les

Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein 1. Eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist aus­ge­schlos­sen 2.

Die­se Maß­stä­be gel­ten auch für die dem Tatrich­ter oblie­gen­de Prü­fung, ob ein min­der schwe­rer Fall im Sin­ne des § 250 Abs. 3 StGB vor­liegt. Bei der dabei gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung obliegt es dem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Tatrich­ters, wel­ches Gewicht er den ein­zel­nen Mil­de­rungs­grün­den im Ver­hält­nis zu den Erschwe­rungs­grün­den bei­misst; sei­ne Wer­tung ist vom Revi­si­ons­ge­richt nur begrenzt nach­prüf­bar 3.

In den Fäl­len, in denen das Gesetz bei einer Straf­tat einen min­der schwe­ren Fall vor­sieht und im Ein­zel­fall ein gesetz­li­cher Mil­de­rungs­grund nach § 49 StGB gege­ben ist, ist bei der Straf­rah­men­wahl vor­ran­gig zu prü­fen, ob ein min­der schwe­rer Fall vor­liegt 4.

Dabei ist im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung zunächst zu prü­fen, ob die all­ge­mei­nen Mil­de­rungs­grün­de allein zur Annah­me eines min­der schwe­ren Falls füh­ren. Begrün­den schon sie allein einen min­der schwe­ren Fall, ist ein ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund wie § 46b StGB nicht ver­braucht und kann bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen eine wei­te­re Straf­rah­men­mil­de­rung nach § 49 StGB begrün­den.

Wer­den meh­re­re Ange­klag­te in einem Ver­fah­ren abge­ur­teilt, muss für jeden von ihnen die Stra­fe aus der Sache selbst gefun­den wer­den. Der Gesichts­punkt, dass gegen Mit­tä­ter ver­häng­te Stra­fen auch in einem gerech­ten Ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen soll­ten, darf zwar nicht völ­lig außer Betracht blei­ben 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Dezem­ber 2016 – 2 StR 338/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17.09.1980 – 2 StR 355/​80, BGHSt 29, 319, 320[]
  2. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349[]
  3. BGH, Urteil vom 29.08.2001 – 2 StR 276/​01, StV 2002, 20[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 14.03.1990 – 2 StR 457/​89, BGHR StGB vor § 1 min­der schwe­rer Fall Straf­rah­men­wahl 7; Beschluss vom 21.11.2007 – 2 StR 449/​07, NStZ-RR 2008, 105; BGH, Urteil vom 10.09.1986 – 3 StR 287/​86, NStZ 1987, 72; Beschluss vom 27.04.2010 – 3 StR 106/​10, NStZ-RR 2010, 336; Fischer, StGB 63. Aufl., § 50 Rn. 3 f. mwN[]
  5. BGH, Beschluss vom 11.09.1997 – 4 StR 297/​97, StV 1998, 481; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 46 Rn. 23[]