Straf­zu­mes­sung – und ihre Über­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den er in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Straf­zu­mes­sung – und ihre Über­prü­fung durch das Revi­si­ons­ge­richt

Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein 1.

Eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist aus­ge­schlos­sen 2.

Nach die­sem Maß­stab hat­te der Straf­aus­spruch im hier vom Bun­dese­richts­hof ent­schie­de­nen Fall kei­nen Bestand. Die Straf­kam­mer hat bei der Bemes­sung sämt­li­cher Ein­zel­stra­fen sowohl bei der Straf­rah­men­wahl als auch bei der Straf­zu­mes­sung im enge­ren Sin­ne zu Las­ten des Ange­klag­ten berück­sich­tigt, "dass der Ange­klag­te in Deutsch­land bereits wegen gemein­schaft­li­chen Dieb­stahls im beson­ders schwe­ren Fall straf­recht­lich vor­be­las­tet ist". Dies wird von den Fest­stel­lun­gen nicht getra­gen.

Aus­weis­lich der Urteils­grün­de ist der Ange­klag­te erst­ma­lig in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land durch den Straf­be­fehl des Amts­ge­richts Braun­schweig vom 25.04.2017 wegen gemein­schaft­li­chen Dieb­stahls "im beson­ders schwe­ren Fall" zu einer Geld­stra­fe von 150 Tages­sät­zen zu je 10 Euro ver­ur­teilt wor­den. Die Ver­ur­tei­lung erfolg­te nach den ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten die­ses Ver­fah­rens, die der Ange­klag­te zwi­schen dem 25.06.2013 und dem 28.10.2015 beging. Zum Zeit­punkt der aus­ge­ur­teil­ten Taten war der Ange­klag­te damit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht vor­be­straft.

Das Urteil beruht auf die­sem Rechts­feh­ler, denn der Bun­des­ge­richts­hof kann nicht aus­schlie­ßen, dass das Land­ge­richt ohne die­sen straf­schär­fen­den Gesichts­punkt zu einer mil­de­ren Ahn­dung gelangt wäre, zumal es die ein­schlä­gi­gen und grund­sätz­lich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen pol­ni­schen Ver­ur­tei­lun­gen 3 aus­drück­lich von sei­ner Straf­zu­mes­sung aus­ge­nom­men hat.

Die Auf­he­bung sämt­li­cher Ein­zel­frei­heits­stra­fen zieht die Auf­he­bung des Gesamt­stra­fen­aus­spruchs nach sich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. März 2018 – 2 StR 531/​17

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17.09.1980 – 2 StR 355/​80, BGHSt 29, 319, 320[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 09.11.2016 – 5 StR 485/​16, juris; Beschluss vom 19.11.2011 – 4 StR 425/​11, NStZ-RR 2012, 305; MK-StG­B/­Mie­bach/­May­er, 3. Aufl., § 46 Rn. 231[]