Straf­zu­mes­sung – und die jah­re­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er

Eine Zeit­span­ne von fünf Jah­ren zwi­schen Bege­hung der Tat und ihrer Abur­tei­lung stellt einen wesent­li­chen Straf­mil­de­rungs­grund dar [1].

Straf­zu­mes­sung – und die jah­re­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er

Dane­ben hat das Tat­ge­richt bei der Bemes­sung aller Ein­zel­stra­fen zu beden­ken, dass auch einer über­durch­schnitt­lich lan­gen Ver­fah­rens­dau­er eine eigen­stän­di­ge straf­mil­dern­de Bedeu­tung zukommt, wenn sie für den Ange­klag­ten mit beson­de­ren Belas­tun­gen ver­bun­den ist [2].

Die Nicht­er­wäh­nung in den Urteils­grün­den legt nahe, dass das Tat­ge­richt die­sen bestim­men­den Mil­de­rungs­grund im Sin­ne des § 267 Abs. 3 Satz 1 StPO in sei­ner Bedeu­tung ver­kannt hat [3]. Dies gilt beson­ders, wennn die Kam­mer die Ver­fah­rens­dau­er gar nicht – auch nicht unter dem Gesichts­punkt einer mög­li­chen rechts­staats­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 MRK) – in den Blick genom­men hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juni 2017 – 1 StR 45/​17

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.12 1995 – 2 StR 468/​95, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Zeit­ab­lauf 1 mwN; und vom 29.09.2015 – 2 StR 128/​15, NStZ-RR 2016, 7[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 16.06.2009 – 3 StR 173/​09, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung 20; vom 29.09.2015 – 2 StR 128/​15, NStZ-RR 2016, 7; und vom 17.01.2008 – GSSt 1/​07, BGHSt 52, 124, 142[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 16.03.2011 – 5 StR 585/​10, NStZ-RR 2011, 171[]