Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen – und ihre Kon­trol­le durch das Revi­si­ons­ge­richt

Die Straf­zu­mes­sung ist grund­sätz­lich Sache des Tat­ge­richts. Es ist sei­ne Auf­ga­be, auf der Grund­la­ge des umfas­sen­den Ein­drucks, den es in der Haupt­ver­hand­lung von der Tat und der Per­sön­lich­keit des Täters gewon­nen hat, die wesent­li­chen ent­las­ten­den und belas­ten­den Umstän­de fest­zu­stel­len, sie zu bewer­ten und hier­bei gegen­ein­an­der abzu­wä­gen.

Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen – und ihre Kon­trol­le durch das Revi­si­ons­ge­richt

Ein Ein­griff des Revi­si­ons­ge­richts in die­se Ein­zel­ak­te der Straf­zu­mes­sung ist in der Regel nur mög­lich, wenn die Zumes­sungs­er­wä­gun­gen in sich feh­ler­haft sind, wenn das Tat­ge­richt gegen recht­lich aner­kann­te Straf­zwe­cke ver­stößt oder wenn sich die ver­häng­te Stra­fe nach oben oder unten von ihrer Bestim­mung löst, gerech­ter Schuld­aus­gleich zu sein 1.

Nur in die­sem Rah­men kann eine "Ver­let­zung des Geset­zes" (§ 337 Abs. 1 StPO) vor­lie­gen. Eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist dage­gen aus­ge­schlos­sen 2.

Die­se Maß­stä­be gel­ten auch für die dem Tat­ge­richt oblie­gen­de Prü­fung, ob ein min­der schwe­rer oder ein beson­ders schwe­rer Fall vor­liegt. Bei der dabei gebo­te­nen Gesamt­wür­di­gung obliegt es dem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Tat­ge­richts, wel­ches Gewicht es den ein­zel­nen Mil­de­rungs­grün­den im Ver­hält­nis zu den Erschwe­rungs­grün­den bei­misst; sei­ne Wer­tung ist vom Revi­si­ons­ge­richt nur begrenzt nach­prüf­bar 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. April 2017 – 1 StR 606/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 27.01.2015 – 1 StR 142/​14, NStZ 2015, 466; und vom 07.02.2012 – 1 StR 525/​11, BGHSt 57, 123, 127 sowie Beschluss vom 13.06.2013 – 1 StR 226/​13, wis­tra 2013, 471, jeweils mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349[]
  3. vgl. für das Vor­lie­gen min­der schwe­rer Fäl­le: BGH, Urtei­le vom 19.01.2017 – 4 StR 334/​16; vom 14.12 2016 – 2 StR 338/​16; und vom 29.08.2001 – 2 StR 276/​01, StV 2002, 20[]