Stra­ßen­ver­kehrs­ge­fähr­dung – und der ver­kehrs­feind­li­che Innen­ein­griff

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs setzt die Straf­bar­keit nach § 315b Abs. 1 StGB bei einem sog. ver­kehrs­feind­li­chen Innen­ein­griff vor­aus, dass zu dem bewusst zweck­wid­ri­gen Ein­satz des Fahr­zeugs in ver­kehrs­feind­li­cher Ein­stel­lung hin­zu­kommt, dass es der Täter mit zumin­dest beding­tem Schä­di­gungs­vor­satz – etwa als Waf­fe oder Scha­dens­werk­zeug – miss­braucht.

Stra­ßen­ver­kehrs­ge­fähr­dung – und der ver­kehrs­feind­li­che Innen­ein­griff

Erst dann liegt eine über den Tat­be­stand des § 315c StGB hin­aus­ge­hen­de und davon abzu­gren­zen­de ver­kehrsa­ty­pi­sche "Per­ver­tie­rung" eines Ver­kehrs­vor­gangs zu einem gefähr­li­chen "Ein­griff" in den Stra­ßen­ver­kehr im Sin­ne des § 315b Abs. 1 StGB vor 1.

Ein voll­ende­ter gefähr­li­cher Ein­griff in den Stra­ßen­ver­kehr erfor­dert zudem, dass durch eine der in den Num­mern 1 bis 3 des § 315b Abs. 1 StGB genann­ten Tat­hand­lun­gen eine Beein­träch­ti­gung der Sicher­heit des Stra­ßen­ver­kehrs her­bei­ge­führt wor­den ist und sich die­se abs­trak­te Gefah­ren­la­ge zu einer kon­kre­ten Gefähr­dung von Leib oder Leben eines ande­ren Men­schen oder einer frem­den Sache von bedeu­ten­dem Wert ver­dich­tet hat. Dabei muss die Tat­hand­lung über die ihr inne­woh­nen­de laten­te Gefähr­lich­keit hin­aus zu einer kri­ti­schen Situa­ti­on geführt haben, in der – was nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung auf Grund einer objek­ti­ven nach­träg­li­chen Pro­gno­se zu beur­tei­len ist – die Sicher­heit einer bestimm­ten Per­son oder Sache im Sin­ne eines "Bei­na­he­un­falls" so stark beein­träch­tigt war, dass es nur noch vom Zufall abhing, ob das Rechts­gut ver­letzt wur­de oder nicht 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2017 – 4 StR 334/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2003 – 4 StR 228/​02, BGHSt 48, 233; Beschlüs­se vom 22.11.2011 – 4 StR 522/​11, NStZ-RR 2012, 123; vom 16.03.2010 – 4 StR 82/​10, Stra­Fo 2010, 259; vom 09.02.2010 – 4 StR 556/​09, NStZ 2010, 391, 392[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.03.2017 – 4 StR 53/​17, NStZ-RR 2017, 224; vom 10.12 2009 – 4 StR 503/​09, NStZ-RR 2010, 120 f.; vom 03.11.2009 – 4 StR 373/​09, BGHR StGB § 315b Abs. 1 Nr. 3 Ein­griff, erheb­li­cher 6[]