Syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – in nicht gerin­ger Men­ge

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in einem jetzt vom ihm ent­schie­de­nen Revi­si­ons­ver­fah­ren mit dem Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für eini­ge syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de befasst.

Syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – in nicht gerin­ger Men­ge

Anlass hier­für bot ihm ein Ver­fah­ren aus Lands­hut: Das Land­ge­richt Lands­hut hat den Ange­klag­ten u.a. wegen meh­re­rer Betäu­bungs­mit­tel­de­lik­te zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren ver­ur­teilt und deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt 1. Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts ver­trieb der Ange­klag­te über einen Inter­net­han­del im In- und Aus­land ange­kauf­te Kräu­ter­mi­schun­gen, die syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de – nament­lich die Wirk­stof­fe JWH018, JWH073, CP 47, 497 und CP 47, 497-C8-Homo­lo­ges – ent­hiel­ten. Dem Ange­klag­ten war bekannt, dass die Kräu­ter­mi­schun­gen zum Kon­sum durch Rau­chen bestimmt waren und eine bewusst­seins­ver­än­dern­de Wir­kung haben, sofern sie syn­the­ti­sche Can­na­bi­noi­de ent­hiel­ten. In meh­re­ren Fäl­len der Ein­fuhr lag die Gesamt­wirk­stoff­men­ge an JWH018 jeweils erheb­lich über dem vom sach­ver­stän­dig bera­te­nen Land­ge­richt als Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge ange­nom­men Wert von 1, 75 g.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Ver­fah­ren über die Revi­sio­nen des Ange­klag­ten und der Staats­an­walt­schaft nach Anhö­rung von zwei Sach­ver­stän­di­gen nun­mehr den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge für die syn­the­ti­schen Can­na­bi­noi­de JWH018 und CP 47, 497-C8-Homo­lo­ges auf eine Wirk­stoff­men­ge von 2 g fest­ge­setzt. Für die Wirk­stof­fe JWH073 und CP 47, 497 hält der Bun­des­ge­richts­hof den Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge jeden­falls bei einer Wirk­stoff­men­ge von 6 g für erreicht. Die­se Fest­set­zung wird den der­zei­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen zum Gefähr­dungs­po­ten­ti­al der Wirk­stof­fe im Ver­gleich zu Can­na­bis, für das der Grenz­wert der nicht gerin­gen Men­ge von der Recht­spre­chung bei 7, 5 g Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol (THC) ange­nom­men wird, gerecht.

Auf Grund­la­ge der rechts­feh­ler­frei fest­ge­stell­ten Wirk­stoff­men­ge JWH018 hat der Bun­des­ge­richts­hof die Schuld­sprü­che wegen uner­laub­ter Ein­fuhr von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in Tat­ein­heit mit uner­laub­tem Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge bestä­tigt, auf die Revi­si­on des Ange­klag­ten jedoch im Hin­blick auf die vom Land­ge­richt vor­ge­nom­me­ne abwei­chen­de Fest­set­zung der nicht gerin­gen Men­ge den Aus­spruch über die jewei­li­gen Ein­zel­stra­fen und die Gesamt­stra­fe auf­ge­ho­ben. Auf die Revi­si­on der Staats­an­walt­schaft hat der 1. Straf­se­nat teil­wei­se die Schuld­sprü­che wegen (ver­such­ten) uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln auf­ge­ho­ben, da das Land­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen zur Men­ge des in den Kräu­ter­mi­schun­gen ent­hal­te­nen Wirk­stoffs CP 47, 497-C8-Homo­lo­ges getrof­fen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2015 – 1 StR 302/​13

  1. LG Lands­hut, Urteil vom 11.01.2013 – 6 KLs 57 Js 10932/​09[]