Syri­sche Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge – und der Grie­chen­land-Tran­sit

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zwei Ver­ur­tei­lun­gen wegen gewerbs­mä­ßi­gen Ein­schleu­sens von syri­schen Bür­ger­kriegs­flücht­lin­gen aus Grie­chen­land bestä­tigt und die Revi­sio­nen von zwei syri­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen ver­wor­fen, die vom Land­ge­richt Essen1 wegen gewerbs­mä­ßi­gen Ein­schleu­sens von Aus­län­dern nach § 95 Abs. 1 Nr. 3, § 96 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 Nr. 1 Auf­en­thG zu Frei­heits­stra­fen von jeweils drei Jah­ren ver­ur­teilt wor­den waren.

Syri­sche Bür­ger­kriegs­flücht­lin­ge – und der Grie­chen­land-Tran­sit

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Essen schleus­ten die Ange­klag­ten im Jahr 2012 syri­sche Flücht­lin­ge, die sich ille­gal in Grie­chen­land auf­hiel­ten und nicht im Besitz gül­ti­ger Per­so­nal­pa­pie­re waren, gegen Zah­lung meh­re­rer Tau­send Euro in das Bun­des­ge­biet ein. Dabei ver­schaff­ten sie oder ihre Mit­tä­ter den Flücht­lin­gen gefälsch­te Aus­wei­se und orga­ni­sier­ten ihre Wei­ter­rei­se nach Deutsch­land. Die Flücht­lin­ge wur­den ent­we­der auf dem Land­weg über die Schweiz, Öster­reich oder Frank­reich und in eini­gen Fäl­len auch direkt – per Lini­en­flug – aus Grie­chen­land in die Bun­des­re­pu­blik ver­bracht.

Obgleich die syri­schen Flücht­lin­ge in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Asyl­an­trä­ge gestellt haben, sind sie, wie der Bun­des­ge­richts­hof aus­drück­lich bestä­tig­te, uner­laubt ein­ge­reist, weil sie nicht über die erfor­der­li­chen Legi­ti­ma­ti­ons­pa­pie­re ver­füg­ten.

Auf das Asyl­grund­recht des Art. 16a GG konn­ten sie sich nicht beru­fen, weil ihre Ein­rei­se aus einem siche­ren Dritt­staat erfolgt ist. Dies gilt nicht nur für die auf dem Land­weg ein­ge­reis­ten, son­dern auch für die Asyl­be­wer­ber, die direkt aus Grie­chen­land in die Bun­des­re­pu­blik gelangt sind. Der Umstand, dass die Bun­des­re­pu­blik im Jahr 2012 bei Asyl­su­chen­den, die sich zuvor in Grie­chen­land auf­ge­hal­ten haben, das Asyl­ver­fah­ren selbst durch­führ­te und wegen der dort bestehen­den Defi­zi­te im Asyl­ver­fah­ren von einer Rück­über­stel­lung nach Grie­chen­land absah, ändert dar­an nichts.

Dies hat zur Fol­ge, dass die den Asyl­be­wer­bern bei der uner­laub­ten Ein­rei­se behilf­li­chen Ange­klag­ten wegen gewerbs­mä­ßi­gen Ein­schleu­sens straf­bar sind. Soweit die Asyl­be­wer­ber selbst wegen ihrer Flücht­lings­ei­gen­schaft nach Art. 31 der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on straf­los blei­ben, kommt dies den Schleu­sern nicht zugu­te, weil es sich dabei um einen per­sön­li­chen Straf­auf­he­bungs­grund han­delt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 26. Febru­ar 2015 – – 4 StR 178/​14 und 4 StR 233/​14

  1. LG Essen, Urtei­le vom 04.12.2013 – 35 KLs 29/​13; und vom 16.12.2013 – 35 KLs 30/​13