Täter­schaft und Teil­nah­me beim Völ­ker­mord

Täter des Völ­ker­mor­des kann jeder­mann sein; in Betracht kom­men ins­be­son­de­re nicht ledig­lich staat­li­che oder mili­tä­ri­sche Füh­rungs­per­so­nen [1].

Täter­schaft und Teil­nah­me beim Völ­ker­mord

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung, von der abzu­wei­chen der vor­lie­gen­de Fall kei­nen Anlass gibt, ist die Fra­ge, ob ein Betei­lig­ter eine Tat als (Mit)Täter oder Gehil­fe begeht, nach fol­gen­den Kri­te­ri­en zu beur­tei­len:

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung, von der abzu­wei­chen der vor­lie­gen­de Fall kei­nen Anlass gibt, ist die Fra­ge, ob ein Betei­lig­ter eine Tat als (Mit)Täter oder Gehil­fe begeht, nach fol­gen­den Kri­te­ri­en zu beur­tei­len: Mit­tä­ter­schaft ist gege­ben, wenn ein Tat­be­tei­lig­ter mit sei­nem Bei­trag nicht bloß frem­des tat­be­stands­ver­wirk­li­chen­des Tun för­dern will, son­dern die­ser Bei­trag im Sin­ne arbeits­tei­li­gen Vor­ge­hens Teil einer gemein­schaft­li­chen Tätig­keit sein soll. Dabei muss der Betei­lig­te sei­nen Bei­trag als Teil der Tätig­keit des ande­ren und umge­kehrt des­sen Tun als Ergän­zung sei­nes eige­nen Tat­an­teils wol­len. Der gemein­schaft­li­che Tatent­schluss kann durch aus­drück­li­che oder auch durch kon­klu­den­te Hand­lun­gen gefasst wer­den. Ob ein Betei­lig­ter ein der­art enges Ver­hält­nis zur Tat hat, ist nach den gesam­ten Umstän­den, die von sei­ner Vor­stel­lung umfasst sind, in wer­ten­der Betrach­tung zu beur­tei­len. Wesent­li­che Anhalts­punk­te für die­se Beur­tei­lung kön­nen der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Erfolg der Tat, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le hier­zu sein, so dass Durch­füh­rung und Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen [2]. Die Annah­me von Mit­tä­ter­schaft erfor­dert aller­dings nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen; es kann sogar ein Bei­trag im Vor­be­rei­tungs­sta­di­um des unmit­tel­bar tat­be­stand­li­chen Han­delns [3] und ein sol­cher im Sta­di­um zwi­schen Voll­endung und Been­di­gung der Tat [4] genü­gen.

Wenn sich der Han­deln­de an dem unmit­tel­ba­ren Tat­ge­sche­hen betei­ligt, bedarf es nicht des Rück­griffs auf die für ande­re Fall­kon­stel­la­tio­nen in der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­te Rechts­fi­gur der „Tat­herr­schaft kraft Orga­ni­sa­ti­ons­herr­schaft“ [5], die zur mit­tel­ba­ren Täter­schaft gemäß § 25 Abs. 1 Alter­na­ti­ve 2 StGB führt; das Ver­hal­ten erfüllt viel­mehr die objek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen einer unmit­tel­ba­ren Mit­tä­ter­schaft nach § 25 Abs. 2 StGB, auch wenn nicht fest­ge­stellt ist, dass er eigen­hän­dig Tötungs­hand­lun­gen vor­nahm.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Mai 2015 – 3 StR 575/​14

  1. Münch­Komm-StGB/­Kreß, 2. Aufl., § 6 VStGB Rn. 7, 30 mwN[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 23.03.1994 – 3 StR 664/​93, BGHR StGB § 25 Abs. 2 Mit­tä­ter 16[]
  3. BGH, Beschluss vom 19.08.2014 – 3 StR 326/​14 7; Urteil vom 08.01.1992 – 3 StR 391/​91, BGHR StGB § 25 Abs. 2 Mit­tä­ter 12[]
  4. BGH, Beschluss vom 14.06.1989 – 3 StR 156/​89, BGHR StGB § 25 Abs. 2 Mit­tä­ter 5[]
  5. BGH, Urteil vom 26.07.1994 – 5 StR 98/​94, BGHSt 40, 218 ff.[]