Täter­schaft und Teil­nah­me im Betäu­bungs­mit­tel­recht

Für die Abgren­zung von Täter­schaft und Teil­nah­me gel­ten auch im Betäu­bungs­mit­tel­recht die Grund­sät­ze des all­ge­mei­nen Straf­rechts.

Täter­schaft und Teil­nah­me im Betäu­bungs­mit­tel­recht

Beschränkt sich die Betei­li­gung des Täters am Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln auf einen Teil­akt des Umsatz­ge­schäfts, kommt es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs maß­geb­lich dar­auf an, wel­che Bedeu­tung der kon­kre­ten Betei­li­gungs­hand­lung im Rah­men des Gesamt­ge­schäfts zukommt 1.

Erschöpft sich die Tätig­keit im blo­ßen Trans­port von Betäu­bungs­mit­teln, besteht in der Regel selbst dann kei­ne täter­schaft­li­che Gestal­tungs­mög­lich­keit, wenn Hand­lungs­spiel­räu­me hin­sicht­lich der Art und Wei­se des Trans­ports ver­blei­ben, sodass von einer Bei­hil­fe aus­zu­ge­hen ist.

Ande­res kann nur gel­ten, wenn der Betei­lig­te erheb­li­che, über den rei­nen Trans­port hin­aus­ge­hen­de Tätig­kei­ten ent­fal­tet, am Anund Ver­kauf des Rausch­gifts unmit­tel­bar betei­ligt ist oder sonst ein eige­nes Inter­es­se am wei­te­ren Schick­sal des Gesamt­ge­schäfts hat, weil er eine Betei­li­gung am Umsatz oder dem zu erzie­len­den Gewinn erhal­ten soll 2.

Nach die­sen Maß­stä­ben ver­nein­te der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall eine täter­schaft­li­che Betei­li­gung des Ange­klag­ten:

Der Ange­klag­te ent­fal­te­te kei­ne erheb­li­chen, über die Ver­mitt­lung der Über­ga­be der Betäu­bungs­mit­tel und den rei­nen Trans­port des Kauf­gel­des hin­aus­ge­hen­den Tätig­kei­ten. Ihm kam im Rah­men des Gesamt­ge­schäfts viel­mehr im Wesent­li­chen die Rol­le eines Boten ("Läu­fers") zu. In das eigent­li­che Umsatz­ge­schäft war er hin­ge­gen nach den Fest­stel­lun­gen nicht ein­ge­bun­den; täter­schaft­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten stan­den ihm inso­weit nicht zu. Die Hand­lun­gen des Ange­klag­ten erschöpf­ten sich mit­hin in unter­ge­ord­ne­ten, wei­sungs­ge­bun­de­nen Tätig­kei­ten, die nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung nicht die Annah­me (mit-)täterschaftlichen uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln, son­dern nur die Annah­me der Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln zu begrün­den ver­mö­gen.

Etwas anders wür­de jedoch dann gel­ten, wenn wei­te­re, ergän­zen­de Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen wer­den kön­nen, ob der Ange­klag­te neben dem Tat­be­stand der Bei­hil­fe zum uner­laub­ten Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge auch zugleich (tat­ein­heit­lich) den Tat­be­stand des uner­laub­ten Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge ver­wirk­licht hat, sofern er wäh­rend des Trans­ports des Rausch­gifts auf­grund der von ihm zurück­ge­leg­ten Weg­stre­cke ein tat­säch­li­ches Herr­schafts­ver­hält­nis über die Betäu­bungs­mit­tel hat­te 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2019 – 4 StR 589/​18

  1. BGH, Urteil vom 28.02.2007 – 2 StR 516/​06, BGHSt 51, 219, 221 ff.; Beschluss vom 07.08.2007 – 3 StR 326/​07, NStZ 2008, 40; Urteil vom 05.05.2011 – 3 StR 445/​10, StV 2012, 287, 288; Beschluss vom 22.08.2012 – 4 StR 272/​12, NStZ-RR 2012, 375[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.08.2012 – 4 StR 272/​12, NStZ-RR 2012, 375 mwN.[]
  3. vgl. dazu Weber, BtMG, 5. Aufl., § 29 Rn. 1349 mwN.[]