Tät­li­che Not­wehr gegen Belei­di­gun­gen

Die Ehre darf als straf­recht­lich geschütz­tes Rechts­gut (§§ 185 ff. StGB) grund­sätz­lich auch mit den Mit­teln der Not­wehr ver­tei­digt wer­den1.

Tät­li­che Not­wehr gegen Belei­di­gun­gen

Dies gilt jeden­falls, soweit es sich nicht um nur gering­fü­gi­ge Behel­li­gun­gen im sozia­len Nah­be­reich, sozi­al tole­ra­bles Ver­hal­ten oder eine sons­ti­ge Baga­tel­le han­delt2.

Zwar liegt es auf der Hand, dass eine Mes­ser­at­ta­cke des Belei­dig­ten jeden­falls die Gren­zen der Gebo­ten­heit des § 32 StGB über­schrei­tet. Denn zwi­schen der Art und dem Umfang der aus dem Angriff dro­hen­den Ver­let­zung und der mit der Ver­tei­di­gung ver­bun­de­nen Gefähr­dung und Beein­träch­ti­gung des Angrei­fers besteht ein uner­träg­li­ches Miss­ver­hält­nis3. Vor dem Hin­ter­grund des affek­ti­ven Aus­nah­me­zu­stands des Belei­dig­ten bei der Tat ist jedoch die Fra­ge zu prü­fen, ob der Belei­dig­te (hier: bei dem Zusto­ßen mit sei­nem Taschen­mes­ser) die Gren­zen der Not­wehr aus Ver­wir­rung, Furcht oder Schre­cken über­schrit­ten hat. Denn nach den bis­her getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen erschei­nen sowohl ein Han­deln des Ange­klag­ten im Rah­men eines inten­si­ven Not­wehr­ex­zes­ses, bei dem der Täter bei objek­tiv bestehen­der Not­wehr­la­ge die Gren­zen der Erfor­der­lich­keit oder Gebo­ten­heit des § 32 StGB über­schrei­tet, als auch ein hier­für zumin­dest mit­ur­säch­li­cher asthe­ni­scher Affekt nicht so fern­lie­gend, als dass eine Aus­ein­an­der­set­zung damit ent­behr­lich erscheint. Mit­hin ist die Prü­fung des § 33 StGB gebo­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Mai 2018 – 3 StR 622/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 14.02.1952 – 5 StR 1/​52, BGHSt 3, 217, 218; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 32 Rn. 8 []
  2. vgl. SSW-StG­B/Ro­sen­au, 3. Aufl., § 32 Rn. 7 []
  3. vgl. SSW-StG­B/Ro­sen­au, aaO § 32 Rn. 24 und 34 mwN []