Täu­schung oder Weg­nah­me?

Hat sich der Täter eine Sache durch Täu­schung ver­schafft, so ist für die Abgren­zung des Tat­be­stands­merk­mals der Weg­nah­me im Sin­ne des § 242 StGB von der Ver­mö­gens­ver­fü­gung im Sin­ne des § 263 StGB auch die Wil­lens­rich­tung des Getäusch­ten und nicht nur das äuße­re Erschei­nungs­bild des Tat­ge­sche­hens maß­ge­bend.

Täu­schung oder Weg­nah­me?
  • Betrug liegt vor, wenn der Getäusch­te auf Grund frei­er, nur durch Irr­tum beein­fluss­ter Ent­schlie­ßung Gewahr­sam über­tra­gen will und über­trägt. In die­sem Fall wirkt sich der Gewahr­sams­über­gang unmit­tel­bar ver­mö­gens­min­dernd aus.
  • Dieb­stahl ist gege­ben, wenn die Täu­schung ledig­lich dazu die­nen soll, einen gegen den Wil­len des Berech­tig­ten gerich­te­ten eigen­mäch­ti­gen Gewahr­sams­bruch des Täters zu ermög­li­chen oder wenigs­tens zu erleich­tern1.

Von der Vor­schrift des § 242 StGB wer­den ins­be­son­de­re auch sol­che Fall­ge­stal­tun­gen erfasst, in denen der Gewahr­sams­in­ha­ber mit der irr­tums­be­ding­ten Aus­hän­di­gung der Sache eine Weg­nah­me­si­che­rung auf­gibt, gleich­wohl aber noch zumin­dest Mit­ge­wahr­sam behält, der vom Täter gebro­chen wird. Voll­zieht sich der Gewahr­sams­über­gang in einem mehr­ak­ti­gen Gesche­hen, so ist die Wil­lens­rich­tung des Getäusch­ten in dem Zeit­punkt ent­schei­dend, in dem er die tat­säch­li­che Herr­schaft über die Sache voll­stän­dig ver­liert. Hat der Gewahr­sams­in­ha­ber, der die wah­ren Absich­ten des Täu­schen­den nicht erkannt hat, den Gegen­stand über­ge­ben, ohne sei­nen Gewahr­sam völ­lig preis­zu­ge­ben, und bringt der Täter die Sache nun­mehr in sei­nen (Allein) Gewahr­sam, so liegt hier­in eine Weg­nah­me, wenn der Aus­schluss des Berech­tig­ten von der fak­ti­schen Sach­herr­schaft ohne oder gegen des­sen Wil­len statt­fin­det2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Mai 2017 – 2 StR 342/​16

  1. BGH, Beschluss vom 02.08.2016 – 2 StR 154/​16, NStZ 2016, 727 mit Anm. Kul­h­anek; sie­he auch Kud­lich, JA 2016, 953; BGH, Urteil vom 17.12 1986 – 2 StR 537/​86, BGHR StGB § 242 Abs. 1 Weg­nah­me 2 []
  2. BGH, Beschluss vom 02.08.2016, – 2 StR 154/​16, NStZ 2016, 727 []