Tank­stel­len­über­fäl­le – und die Mit­tä­ter­schaft der Bei­fah­re­rin

Bei Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jede sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter im Sin­ne von § 25 Abs. 2 StGB, wer einen eige­nen Tat­bei­trag leis­tet und die­sen so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­an­teils erscheint.

Tank­stel­len­über­fäl­le – und die Mit­tä­ter­schaft der Bei­fah­re­rin

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst und auch kei­ne Anwe­sen­heit am Tat­ort; aus­rei­chen kann viel­mehr auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt. Stets muss sich die objek­tiv aus einem wesent­li­chen Tat­bei­trag bestehen­de Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len. Ob danach Mit­tä­ter­schaft oder Bei­hil­fe anzu­neh­men ist, hat der Tatrich­ter auf­grund einer wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller fest­ge­stell­ten Umstän­de zu prü­fen; maß­geb­li­che Kri­te­ri­en sind der Grad des eige­nen Inter­es­ses an der Tat, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le dazu, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betref­fen­den abhän­gen 1.

Nach die­sen Maß­stä­ben begeg­ne­te für den Bun­des­ge­richts­hof die recht­li­che Ein­ord­nung der Betei­li­gung der Ange­klag­ten als Mit­tä­ter­schaft in drei der ange­klag­ten Fäl­len durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken. Anders als in den übri­gen Fäl­len, bei denen die Ange­klag­te den Mit­an­ge­klag­ten zum Tat­ort gebracht, wäh­rend des Über­falls abspra­che­ge­mäß auf dem Fah­rer­sitz flucht­be­reit auf ihn gewar­tet und ihn danach mit dem Fahr­zeug vom Tat­ort weg­ge­fah­ren hat­te, wirk­te sie in die­sen drei Fäl­len ledig­lich beim Aus­spä­hen der Tank­stel­len mit, beglei­te­te den Mit­an­ge­klag­ten bei den Fahr­ten zu den Tat­or­ten und nach den Über­fäl­len von die­sen weg als Bei­fah­re­rin und war­te­te wäh­rend der Taten auf die Rück­kehr des in die­ser Zeit die Über­fäl­le allei­ne durch­füh­ren­den Mit­an­ge­klag­ten.

Die­se Tätig­keit der Ange­klag­ten im Rah­men der drei Über­fäl­le stellt sich nach dem äuße­ren Erschei­nungs­bild in Bezug zu den Tat­bei­trä­gen des Mit­an­ge­klag­ten als Betei­li­gungs­hand­lung an des­sen Erpres­sungs­ta­ten dar, die für sich weder auf eine Tat­herr­schaft noch auf einen Wil­len hier­zu schlie­ßen las­sen. Die Taten beging der Mit­an­ge­klag­te allei­ne; ihre Aus­füh­rung und ihr Erfolg waren nach den Fest­stel­lun­gen in den vor­be­zeich­ne­ten Fäl­len in jeder Hin­sicht dem Ein­fluss und dem Wil­len der Ange­klag­ten ent­zo­gen. Der vom Land­ge­richt fest­ge­stell­te gemein­sa­me Tatent­schluss und das auch aus dem Bestrei­ten des gemein­sa­men Lebens­be­dar­fes fol­gen­de Inter­es­se der Ange­klag­ten am Gelin­gen der Über­fäl­le ver­mag eine ande­re Beur­tei­lung und die recht­li­che Ein­ord­nung die­ser Tat­bei­trä­ge durch das Land­ge­richt nicht zu recht­fer­ti­gen. Dies gilt auch dann, wenn dem Tatrich­ter bei der vor­zu­neh­men­den Abgren­zung von Mit­tä­ter­schaft und Bei­hil­fe ein Beur­tei­lungs­spiel­raum zuzu­bil­li­gen sein soll­te, der nur ein­ge­schränk­ter revi­si­ons­ge­richt­li­cher Über­prü­fung zugäng­lich ist 2. Ein sol­cher Beur­tei­lungs­spiel­raum, den das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Urteil, das zur Mit­tä­ter­schaft der Ange­klag­ten kei­ne nähe­re recht­li­che Sub­sump­ti­on oder wer­ten­de Betrach­tung ent­hält, ersicht­lich nicht aus­ge­füllt hat, wäre hier jeden­falls über­schrit­ten. Die Annah­me des Land­ge­richts, die Ange­klag­te sei in die­sen drei Fäl­len als Mit­tä­te­rin der voll­ende­ten bzw. der ver­such­ten beson­ders schwe­ren räu­be­ri­schen Erpres­sung anzu­se­hen, hält der recht­li­chen Über­prü­fung danach nicht stand.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2015 – 3 StR 439/​15

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254; Beschluss vom 02.07.2008 – 1 StR 174/​08, NStZ 2009, 25, 26[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 17.10.2002 – 3 StR 153/​02, NStZ 2003, 253, 254; und vom 10.12 2013 – 5 StR 387/​13 10[]