Tat­ein­heit durch Klam­mer­wir­kung

Die Annah­me von Tat­ein­heit durch Klam­mer­wir­kung setzt vor­aus, dass die Aus­füh­rungs­hand­lun­gen zwei­er an sich selb­stän­di­ger Delik­te zwar nicht mit­ein­an­der, wohl aber mit der Aus­füh­rungs­hand­lung eines drit­ten Tat­be­stan­des (teil)identisch sind und zwi­schen wenigs­tens einem der bei­den an sich selb­stän­di­gen Delik­te und dem sie ver­bin­den­den Delikt zumin­dest annä­hern­de Wert­gleich­heit besteht oder die ver­klam­mern­de Tat die schwers­te ist 1.

Tat­ein­heit durch Klam­mer­wir­kung

Als Maß­stab hier­für dient die Abstu­fung der ein­zel­nen Delik­te nach ihrem Unrechts­ge­halt unter Ori­en­tie­rung an den Straf­rah­men, wobei der Wer­te­ver­gleich nicht nach einer abs­trakt­ge­ne­ra­li­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se, son­dern anhand der kon­kre­ten Gewich­tung der Taten vor­zu­neh­men ist 2.

Da der Tat­be­stand des § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG für den Besitz von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge mit einer Straf­rah­men­ober­gren­ze von 15 Jah­ren gegen­über der Ober­gren­ze des nach § 27 Abs. 2 Satz 2, § 49 Abs. 1 StGB gemil­der­ten Straf­rah­men des § 30a Abs. 2 BtMG von elf Jah­ren und drei Mona­ten die schwe­re­re Stra­fe androht und sich bei der gebo­te­nen kon­kre­ten Betrach­tungs­wei­se kei­ne Gesichts­punk­te dafür erge­ben, dass der Besitz von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge sei­nem straf­recht­li­chen Unrechts­ge­halt nach hin­ter der Teil­nah­me­hand­lung zurück­bleibt, sind die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ver­klam­me­rung unge­ach­tet der höhe­ren Min­dest­stra­fe des gemil­der­ten Nor­mal­straf­rah­mens aus § 30a Abs. 2 BtMG erfüllt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Febru­ar 2017 – 4 StR 580/​16

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2012 – 4 StR 99/​12, NStZ-RR 2013, 147, 149 mwN; Beschluss vom 11.01.2012 – 1 StR 386/​11, wis­tra 2012, 310; Ris­sing­van Saan, LK, 12. Aufl., § 52 Rn. 28 ff.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.12 2012 – 4 StR 99/​12 aaO; Beschlüs­se vom 19.04.2011 – 3 StR 230/​10, NStZ 2011, 577, 578; vom 02.12 2008 – 3 StR 203/​08, NStZ 2009, 692, 693; Urteil vom 18.07.1984 – 2 StR 322/​84, BGHSt 33, 4, 6 ff.[]