Teil­ent­schei­dung im straf­recht­li­chen Revi­si­ons­ver­fah­ren

Eine Tei­ler­le­di­gung, die zur Her­bei­füh­rung von Teil­rechts­kraft führt, ist nur dann zuläs­sig, wenn der rechts­kräf­ti­ge eben­so wie der nicht­rechts­kräf­ti­ge Urteils­teil von dem übri­gen Urteils­in­halt los­ge­löst, selb­stän­dig geprüft und recht­lich beur­teilt wer­den kann; die Gren­zen bestim­men sich nach den­sel­ben Grund­sät­zen, nach denen sich die Wirk­sam­keit der Teil­an­fech­tung beur­teilt [1].

Teil­ent­schei­dung im straf­recht­li­chen Revi­si­ons­ver­fah­ren

Gemes­sen dar­an kön­nen hier der straf­recht­li­che Teil des Urteils und die Adhä­si­ons­ent­schei­dung selb­stän­dig geprüft und beur­teilt wer­den. Nach der aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung des § 406a Abs. 2 Satz 1 StPO kann der Ange­klag­te die statt­ge­ben­de Ent­schei­dung über die Ent­schä­di­gung auch ohne den straf­recht­li­chen Teil des Urteils mit dem sonst nach der StPO zuläs­si­gen Rechts­mit­tel anfech­ten, über den dann iso­liert ent­schie­den wer­den kann.

Im vor­lie­gen­den Fall gebie­ten auch schwer­wie­gen­de Inter­es­sen des Revi­si­ons­füh­rers ein Abwei­chen von der gesetz­li­chen Regel einer ein­heit­li­chen Ent­schei­dung durch das Revi­si­ons­ge­richt (vgl. §§ 353, 354 StPO) durch "hori­zon­ta­le" Teil­ent­schei­dung [2]. Der Ange­klag­te befin­det sich seit dem 15.05.2013 in Unter­su­chungs­haft. Die Dau­er des Anfra­ge- und Vor­la­ge­ver­fah­rens ist – zumal bei Betei­li­gung des Gro­ßen Senats für Zivil­sa­chen – nicht abseh­bar.

Zwar stellt die Durch­füh­rung eines Anfra­ge- und Vor­la­ge­ver­fah­rens nach § 132 GVG kei­ne pro­zess­ord­nungs­wid­ri­ge, rechts­staats­wid­ri­ge Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung dar. Im Hin­blick auf das ver­fas­sungs­recht­li­che (Art. 2 Abs. 2 Satz 2 i.V.m. Art.20 Abs. 3 GG) und in Art. 6 Abs. 1 Satz 1 EMRK aus­drück­lich nor­mier­te Beschleu­ni­gungs­ge­bot hält es der Bun­des­ge­richts­hof indes nicht für ver­tret­bar, das Ver­fah­ren, obwohl es zum – für den Ange­klag­ten im Vor­der­grund sei­nes Rechts­mit­tels ste­hen­den – Schuld­spruch und Straf­aus­spruch ent­schei­dungs­reif ist, bis zum Abschluss des Anfra­ge- und Vor­la­ge­ver­fah­rens nicht wei­ter zu betrei­ben. Er ent­schei­det daher über den Schuld­spruch und den Straf­aus­spruch vor­ab und wird ent­spre­chend § 406a Abs. 2 Satz 2 StPO eine iso­lier­te Ent­schei­dung über den Adhä­si­ons­aus­spruch tref­fen, sobald das Vor­la­ge­ver­fah­ren abge­schlos­sen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2014 – 2 StR 137/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.07.2004 – 4 StR 85/​03, BGHSt 49, 209, 211; Beschluss vom 20.01.2011 – 4 StR 650/​10; LR/​Franke, 26. Aufl., § 353 Rn. 5; Mey­er-Goß­ner, StPO, 57. Aufl., § 353 Rn. 6; KK-Geri­cke, StPO, 7. Aufl., § 353 Rn. 10, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.07.2004 – 4 StR 85/​03, BGHSt 49, 209, 212 f.; Beschluss vom 20.01.2011 – 4 StR 650/​10; Beschlüs­se vom 19.11.2004 – 2 StR 431/​04; vom 20.08.2004 – 2 StR 434/​03 und 2 StR 211/​04[]