Teil­wei­se Zwei­fel an der ein­zi­gen Zeu­gen­aus­sa­ge – und die Beweis­wür­di­gung

Die Beweis­wür­di­gung ist Sache des Tat­ge­richts. Ihm allein obliegt es, das Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen 1. Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen brau­chen nicht zwin­gend zu sein, es genügt, dass sie mög­lich sind 2.

Teil­wei­se Zwei­fel an der ein­zi­gen Zeu­gen­aus­sa­ge – und die Beweis­wür­di­gung

Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung ist auf die Fra­ge beschränkt, ob dem Tat­ge­richt Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Das ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen die Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt 3.

Ein sol­cher Rechts­feh­ler liegt auch vor, wenn die Beweis­wür­di­gung lücken­haft ist.

Bei Fall­kon­stel­la­tio­nen, in denen das Gericht der Aus­sa­ge des ein­zi­gen Belas­tungs­zeu­gen oder der belas­ten­den Ein­las­sung des Mit­an­ge­klag­ten nur teil­wei­se folgt und es in ande­ren Tei­len Zwei­fel an des­sen Dar­stel­lung hat oder die­se sogar für wider­legt hält, kann den belas­ten­den Anga­ben die­ses ein­zi­gen Zeu­gen oder Mit­an­ge­klag­ten nur dann gefolgt wer­den, wenn das Tat­ge­richt alle Umstän­de, die die Ent­schei­dung beein­flus­sen kön­nen, erkannt und in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen hat 4; regel­mä­ßig ist dabei zudem zu ver­lan­gen, dass es außer­halb der Aus­sa­ge oder Ein­las­sung Grün­de von erheb­li­chem Gewicht gibt, die für die Glaub­haf­tig­keit der belas­ten­den Anga­ben spre­chen. Die­se sind in den Urteils­grün­den dar­zu­le­gen 5.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de die Beweis­wür­di­gung des Land­ge­richts in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht gerecht. Zwar liegt hier nicht hin­sicht­lich des gesam­ten Tat­ge­sche­hens eine Aus­sa­ge­ge­gen­Aus­sa­ge­Kon­stel­la­ti­on vor. Viel­mehr stützt das Land­ge­richt sei­ne Fest­stel­lun­gen zum äuße­ren Tat­ge­sche­hen, ins­be­son­de­re zum Rei­se­ver­lauf, auf weit­ge­hend über­ein­stim­men­de Anga­ben der Ange­klag­ten und wei­te­re Beweis­mit­tel. Zudem hat der Ange­klag­te selbst ein­ge­räumt, dass ihm klar gewor­den sei, „dass es sich tat­säch­lich um ein Dro­gen­ge­schäft han­del­te”. Die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on zeich­net sich jedoch dadurch aus, dass hin­sicht­lich der zen­tra­len Fra­ge, ob die Ange­klag­ten das Rausch­mit­tel auf der Grund­la­ge eines gemein­sa­men Tatent­schlus­ses über­nom­men und in Rich­tung der deutsch­ös­ter­rei­chi­schen Gren­ze trans­por­tiert haben, Aus­sa­ge gegen Aus­sa­ge steht, und das Land­ge­richt inso­weit den Anga­ben des Mit­an­ge­klag­ten folgt, obwohl des­sen Anga­ben im Übri­gen „nicht unein­ge­schränkt plau­si­bel” und daher in Tei­len nicht glaub­haft waren.

Es liegt damit eine Beweis­la­ge vor, bei der die Urteils­grün­de erken­nen las­sen müs­sen, dass der Tatrich­ter alle Umstän­de, wel­che die Ent­schei­dung beein­flus­sen kön­nen, in die gebo­te­ne Gesamt­wür­di­gung der Indi­zi­en ein­be­zo­gen hat. Zudem ist anhand außer­halb der belas­ten­den Aus­sa­ge lie­gen­der Umstän­de nach­voll­zieh­bar zu begrün­den, war­um der Dar­stel­lung des Mit­an­ge­klag­ten zur Tat­be­tei­li­gung des Ange­klag­ten gefolgt wer­den kann, obwohl des­sen Ein­las­sung vom Gericht in Tei­len als nicht glaub­haft ange­se­hen wur­de.

Dar­an fehl­te es hier. Das Land­ge­richt hat kei­ne aus­rei­chen­den, außer­halb der Ein­las­sung des Mit­an­ge­klag­ten lie­gen­den Umstän­de benannt, die geeig­net sind zu begrün­den, war­um der den Ange­klag­ten belas­ten­den Dar­stel­lung des Mit­an­ge­klag­ten zu fol­gen ist. Der Bun­des­ge­richts­hof kann nicht aus­schlie­ßen, dass das Urteil hier­auf beruht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Okto­ber 2018 – 1 StR 438/​18

  1. BGH, Urteil vom 28.03.2018 – 2 StR 311/​17 9; Beschluss vom 10.01.2017 – 2 StR 235/​16, StV 2017, 367, 368
  2. BGH, Urtei­le vom 05.04.2018 – 1 StR 67/​18, Stra­Fo 2018, 399, 400; und vom 28.03.2018 – 2 StR 311/​17, aaO; Beschluss vom 10.01.2017 – 2 StR 235/​16, aaO
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 05.04.2018 – 1 StR 67/​18, aaO; vom 28.03.2018 – 2 StR 311/​17, aaO; und vom 06.11.1998 – 2 StR 636/​97, BGHR StPO § 261 Beweis­wür­di­gung 16; wei­te­re Nach­wei­se bei MeyerGoßner/​Schmitt, StPO, 61. Aufl., § 261 Rn. 38
  4. BGH, Urteil vom 12.12 2012 – 5 StR 544/​12, NStZ-RR 2013, 119 mwN; Beschlüs­se vom 22.01.2002 – 5 StR 549/​01, NStZ-RR 2002, 146; und vom 16.02.2000 – 3 StR 28/​00, StV 2000, 599 f.
  5. BGH, Urteil vom 29.07.1998 – 1 StR 94/​98, BGHSt 44, 153, 159; Beschluss vom 27.11.2017 – 5 StR 520/​17, NStZ 2018, 116