Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung – und die Ver­wert­bar­keit von Raumgesprächen

Der Bun­des­ge­richts­hof hält jeden­falls für den Fall, dass ein Teil­neh­mer eines Tele­fon­ge­sprächs einen im Raum anwe­sen­den Drit­ten in das Tele­fo­nat ein­be­zieht, an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zur Ver­wert­bar­keit von sog. Hin­ter­grund- oder Raum­ge­sprä­chen bei Über­wa­chung der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on fest.

Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung – und die Ver­wert­bar­keit von Raumgesprächen

Danach darf bei durch § 100a StPO gerecht­fer­tig­ter Auf­zeich­nung eines Tele­fon­ge­sprächs das gesam­te wäh­rend des Tele­fo­nats auf­ge­zeich­ne­te Gespräch ein­schließ­lich der Hin­ter­grund­ge­räu­sche und geprä­che ver­wer­tet wer­den [1].

Das gilt jeden­falls dann, wenn es sich – wie hier – um Gesprä­che han­delt, bei denen einer der Teil­neh­mer der auf­grund gericht­li­cher Anord­nungs­be­schlüs­se über­wach­ten Tele­fon­ge­sprä­chen eine drit­te Per­son in die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem tele­fo­ni­schen Gesprächs­part­ner ein­be­zieht. Denn bei einer sol­chen Fall­ge­stal­tung sind die frag­li­chen Inhal­te des Hin­ter­grund- bzw. Raum­ge­sprächs selbst Gegen­stand der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on [2].

Die Unver­wert­bar­keit allein auf­grund des Umstands, dass es sich um Infor­ma­tio­nen aus einem bei einer Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung mit­ge­hör­ten Raum­ge­spräch han­delt, ist damit aus­ge­schlos­sen. Sie könn­te sich allen­falls aus sol­chen Grün­den erge­ben, die all­ge­mein zur Unver­wert­bar­keit aus Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung stam­men­den Infor­ma­tio­nen führen.

Rich­tet sich die Unver­wert­bar­keit des Inhalts eines „Hin­ter­grund­ge­sprächs“ der hier vor­lie­gen­den Art nach den für ein Ver­wer­tungs­ver­bot im Rah­men von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung all­ge­mein gel­ten­den Vor­aus­set­zun­gen, bedarf es auch für die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung der recht­zei­ti­gen Erhe­bung eines Ver­wer­tungs­wi­der­spruchs [3]. Hier­zu bedarf es des Vor­trags von Tat­sa­chen, aus denen sich die recht­zei­ti­ge Erhe­bung des Wider­spruchs vor dem durch § 257 StPO bestimm­ten Zeit­punkt [4] ergibt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Janu­ar 2018 – 1 StR 571/​17

  1. BGH, Beschluss vom 24.04.2008 – 1 StR 169/​08, NStZ 2008, 473 f. mwN; sie­he auch KK-StPO/­Bruns, 7. Aufl., § 100a Rn. 54[]
  2. vgl. zu die­sem Aspekt Prit­twitz StV 2009, 437, 442; SK-StPO/­Wol­ter/G­re­co, 5. Aufl., Band II, § 100a Rn. 26[]
  3. zum Wider­spruchs­er­for­der­nis bei Gel­tend­ma­chen der Unver­wert­bar­keit aus TKÜ stam­men­den Infor­ma­tio­nen sie­he nur Schmitt in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 60. Aufl., § 100a Rn. 39 mwN[]
  4. dazu BGH, Beschluss vom 27.02.1992 – 5 StR 190/​91, BGHSt 38, 214, 225 f.[]