Teu­fels­aus­trei­bung mit­tels Salzwasserbehandlung

Die 21. Gro­ße Straf­kam­mer – Schwur­ge­richt – des Land­ge­richts Ber­lin hat den Ehe­mann sowie die Schwie­ger­el­tern einer zum Tat­zeit­punkt 22-jäh­ri­gen Frau wegen Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge verurteilt.

Teu­fels­aus­trei­bung mit­tels Salzwasserbehandlung

Die Schwur­ge­richts­kam­mer ver­häng­te gegen den Ehe­mann eine Frei­heits­stra­fe von drei Jah­ren und acht Mona­ten und gegen die Schwie­ger­mut­ter eine Frei­heits­stra­fe von zwei Jah­ren und acht Mona­ten. Der Schwie­ger­va­ter erhielt eine zwei­jäh­ri­ge Frei­heits­stra­fe zur Bewäh­rung. Ein wei­te­rer Ange­klag­ter wur­de wegen fahr­läs­si­ger Tötung zu einer Frei­heits­stra­fe zur Bewäh­rung von einem Jahr und sechs Mona­ten verurteilt. 

Nach den Fest­stel­lun­gen des Gerichts haben der heu­te 36-jäh­ri­ge Ehe­mann sowie des­sen Eltern Ende des Jah­res 2015 der damals 22-jäh­ri­gen, aus dem Liba­non stam­men­den Frau über einen Zeit­raum von cir­ca einer Woche hin­weg Salz­was­ser ver­ab­reicht, um sie von einem angeb­li­chen Teu­fel zu befrei­en, der für die Kin­der­lo­sig­keit der Frau ver­ant­wort­lich gemacht wur­de. Die Ange­klag­ten sol­len vor der Tat den heu­te 50-jäh­ri­gen Mit­an­ge­klag­ten Mazen K. kon­sul­tiert haben, der als isla­mi­scher Hei­ler (als sog. Hod­scha) tätig gewe­sen sei und der zur Teu­fels­aus­trei­bung durch eine Salz­was­ser­be­hand­lung gera­ten habe. Er soll die Behand­lung in den ers­ten bei­den Tagen der Behand­lung, u.a. durch die Ver­le­sung des Korans beglei­tet, haben. Die Frau habe sich am ers­ten Tag der Behand­lung dem Wil­len der Fami­lie gebeugt und die Salz­was­ser­lö­sung frei­wil­lig geschluckt. Im Ver­lauf der Behand­lung habe sich ihr Gesund­heits­zu­stand der­art ver­schlech­tert, dass sie zum frei­wil­li­gen Trin­ken nicht mehr in der Lage gewe­sen sei. Die Frau sei schließ­lich am 7. Dezem­ber 2015 im Kran­ken­haus an den Fol­gen der Behand­lung verstorben.

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Die Ange­klag­ten haben die Tat­vor­wür­fe im Ver­lauf der acht­mo­na­ti­gen Haupt­ver­hand­lung eingeräumt.

Das Land­ge­richt stell­te klar, dass durch das Urteil weder reli­giö­se Ein­stel­lun­gen noch ein beson­de­res Frau­en­bild bestraft wür­den. Maß­ge­bend sei gewe­sen, dass man mit der Behand­lung nicht auf­ge­hört habe, obwohl sich der Gesund­heits­zu­stand der Frau im Ver­lauf der Behand­lung erkenn­bar ver­schlech­tert habe. Ins­be­son­de­re auf­grund der Geständ­nis­se, die wesent­lich zur Tat­auf­klä­rung bei­getra­gen hät­ten, ist das Gericht in Hin­blick auf den Straf­tat­be­stand der Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge von einem min­der schwe­ren Fall aus­ge­gan­gen, so dass ein Straf­rah­men zwi­schen einem Jahr und zehn Jah­ren Frei­heits­stra­fe anzu­wen­den war. Der Tat­be­stand der fahr­läs­si­gen Tötung sieht als Stra­fe die Ver­hän­gung einer Frei­heits­stra­fe von bis zu fünf Jah­ren oder die Ver­hän­gung einer Geld­stra­fe vor. Zu Guns­ten der Ange­klag­ten hat das Gericht gewer­tet, dass die Ange­klag­ten nicht vor­be­straft waren und nicht in feind­li­cher Wil­lens­rich­tung gegen­über der Frau gehan­delt hätten. 

Land­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 30. August 2021 – 521 Ks 3/​20

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